Antibiotikatherapie | Apotheken-Depesche 6/2006

Wen trifft die pseudomembranöse Kolitis?

Ältere hospitalisierte Patienten, aber auch immungeschwächte Jüngere sind durch eine Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhö gefährdet.

Definiert wird die Clostridien-assoziierte Diarrhö durch häufige Darmentleerungen mit mindestens 300 ml/d flüssigen Stuhls und dem Nachweis von C.-difficile-Toxin im Stuhl. Eine besonders schwere Verlaufsform stellt die pseudomembra-nöse Kolitis dar. Der klassische Auslöser für die fäkal-oral übertragene Infektion ist Clindamycin, aber auch Cephalosporine und prinzipiell alle Antibiotika können während oder noch bis zu Wochen nach der Applikation das Wachstum von C. difficile begünstigen. Während nur ca. 5% der Normalbevölkerung eine asymptomatische Kolonisation aufweist, sind es bei älteren Krankenhauspatienten über 20%. Gefährlich wird aber erst die Produktion der Toxine A und B, die bei ca. 30% aller besiedelten Patienten stattfindet. Nur bei Toxinnachweis im Stuhl, nicht aber beim asymptomatischen kulturellen Keimnachweis, besteht daher eine Behandlungsindikation.

Neben supportiven Maßnahmen und dem Absetzen des auslösenden Antibiotikums ist Metronidazol 1200 mg/d p.o. oder Vancomycin 500 mg/d p.o. die Therapie der Wahl. Studien zufolge kommt es auch ohne diese Eradikation in 20% der Fälle zu einer Ausheilung. Bei einem Drittel der Patienten kommt es zu einem Wiederauftreten der Durchfälle; dem kann durch die Gabe von Probiotika, die den Aufbau der normalen Darmflora unterstützen, vorgebeugt werden. Der Ausbruch von Clostridien-Infektionen im Krankenhaus- und Altenheimbereich kann nur zum Teil durch strikte Hygienemaßnahmen verhindert werden. (Ko)


Quelle: Starr, J: Clostridium difficile associated diarrhoea: diagnosis and treatment, Zeitschrift: BRITISH MEDICAL JOURNAL, Ausgabe 331 (2005), Seiten: 498-501

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