Twitter-Verhalten von Allergikern | Apotheken-Depesche 1/2019

Pollenflug im Internet

Es gibt immer mehr wissenschaftliche Anstrengungen, epidemiologische Daten in sozialen Medien zu sammeln. Beim saisonalen Phänomen Pollinosis scheint tatsächlich ein Zusammenhang zu bestehen: Je mehr Pollen fliegen, desto mehr wird darüber auch in sozialen Medien gezwitschert.

Das Schlüsselwort lautete „Kanfushō“, das japanische gebräuchliche Wort für saisonale allergische Rhinitis. Beiträge auf Twitter mit diesem Wort zählte ein japanisches Autorenteam über einen bestimmten Zeitraum im Frühjahr. Parallel analysierten die Wissenschaftler die Daten zum Pollenflug der japanischen Zeder und verglichen sie mit der im realen Leben gezählten Menge der Patienten, die mit Beschwerden bei Ärzten vorstellig wurden. Ein Zusammenhang war deutlich erkennbar. Ein Anstieg der Pollenzahl ging immer mit einem Anstieg der Tweets zu dem Thema Heuschnupfen einher. Das deckte sich auch mit den „realen“ Patienten, die bei erhöhter Pollenbelastung häufiger bei Ärzten und in Krankenhäusern auftauchten. Auch zu erkennen war, dass die Betroffenen bei höheren Temperaturen und Abnahme der Luftfeuchtigkeit mehr unter den Symptomen litten. Zum Zeitpunkt des stärksten Pollenfluges waren die Tweets auch am heftigsten formuliert und der Leidensdruck demnach höher. Ob Social Media allerdings wirklich ein verlässliches Instrument zur Überwachung bestimmter Krankheitsdaten sein kann, sehen die Autoren selbst kritisch. Die kausalen Zusammenhänge müssten erst umfassend verstanden werden. EG

Quelle:

Wakamiya S et al.: Causal Relationships ...: retrospective Analysis. J Med Internet Res. 2019; doi: 10.2196/10450

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