Zusatzempfehlungen | Apotheken-Depesche 3/2018

Naturheilkundliche Therapie und Pflege: Atopisches Ekzem beim Erwachsenen

Quälender Juckreiz, rote, schuppende, nässende Haut – die chronisch rezidivierende Entzündung ist für Betroffene sehr belastend. Die Patienten sind in der Regel in dermatologischer Behandlung, wünschen sich in der Apotheke abern oft zusätzliche Tipps zum Umgang mit ihrer Erkrankung und Empfehlungen zur adjuvanten Therapie. Hier können Naturheilverfahren gute Dienste leisten.

In Deutschland sind ca. 23% der Säuglinge und Kleinkinder und 8% der Schulkinder von Neurodermitis betroffen. Etwa 60% der betroffenen Kinder sind im jungen Erwachsenenalter wieder frei von Symptomen, 2% bis 4% der Erwachsenen bleiben Neurodermitiker. Ursächlich spielen eine genetische Prädisposition und zahlreiche Auslösefaktoren eine Rolle.
Die chronisch rezidivierende Entzündung der Haut führt zu starkem Juckreiz, Rötung, Nässen, Schuppung und Krustenbildung. Die Neurodermitis geht dabei häufig mit anderen atopischen Erkrankungen einher. Nahrungsmittelallergien können ein Triggerfaktor sein. Der Stellenwert der Provokationsfaktoren ist individuell unterschiedlich. Aus naturheilkundlicher Sicht wird von einer Assoziation mit psychischen Erkrankungen ausgegangen.
Sekundärinfektionen der Haut mit Bakterien (besonders Staphylococcus aureus), Viren und Pilzinfektionen sind häufige Komplikationen der Neurodermitis.
 
Unverzichtbar: Die Basistherapie
 
Unabhängig von der Schwere der Erkrankung erhalten alle Patienten eine Basistherapie mit Emollenzien. Effiziente Lipidzufuhr und Hydratisierung der Haut ohne Irritations- oder allergenes Potenzial, gute Verstreichbarkeit und ein angenehmer Geruch machen das optimale Basisexternum aus. Zum Einsatz kommen meist W/O-Emulsionen, bei weniger trockener Haut sind hydratisierende O/W-Emulsionen die richtige Wahl.
Harnstoffhaltige Emollenzien hydratisieren nicht nur, sondern können auch den Juckreiz lindern und verbessern die Barrierefunktion der Haut. Verschiedene Präparate mit unterschiedlich hohem Gehalt an Urea stehen zur Wahl. Harnstoff-haltige Topika sollen erst bei 
Kindern ab 5 Jahren eingesetzt werden. Lässt sich mit diesen Maßnahmen keine Krankheitskontrolle erzielen, kann der Arzt abhängig von der Ausprägung der Hauterscheinungen zusätzlich topische Glucocorticosteroide und Calcineurininhibitoren bis hin zu systemischen immunmodulierenden Therapien verordnen.
Insbesondere in leichteren Fällen können ergänzend zur Basistherapie und ggf. weiteren schulmedizinischen Ansätzen auch naturheilkundliche und komplementärmedizinische Präparate zum Einsatz kommen. Um individuell sinnvolle Empfehlungen geben zu können, müssen die Ausprägung der Erkrankung und die Jahreszeit bedacht werden.
 
Pflanzliche Externa
 
Bei trockener Haut und trockenen Ekzemen können fettende Externa mit Extrakten aus Bittersüßstengel (Solani dulcamarae stipites) eingesetzt werden, ebenso Zubereitungen aus Hamamelisblättern und -rinde oder der Ballonrebe (Cardiospermum halicacabum).
 
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Die Zaubernuss (Hamamelis virginia) kam erst im Jahr 1736 von Nordamerika nach Europa. Die Wirkstoffe der Rinde und Blätter sind mittlerweile gut untersucht. Hauptwirkstoffe der Rinde sind Gerbstoffe sowie Gallotannine, dazu kommen kleine Mengen ätherisches Öl und Flavonoide. In vitro belegt sind adstringierende, antiphlogistische, antioxidative und antivirale Wirkungen. Die Blätter enthalten auch Gerbstoffe und Flavonoide (z. B. Kämpferol, Quercetin) und ätherische Öle. Meist werden Mischextrakte aus Rinden und Blättern verwendet.
Bei nässenden Ekzemen und Pruritus werden in der Phytotherapie Zubereitungen mit gerbstoffhaltigen Drogen empfohlen. Zwar ersetzt die Anwendung von Gerbstoffen die antientzündliche Therapie nicht, aber aufgrund der Ergebnisse offener Studien und klinischer Erfahrungen kann eine unterstützende anti-pruroginöse Behandlung mit Gerbstoffen erwogen werden, so die aktuelle Leitlinie zur Therapie der Neurodermitis. Gerbstoffhaltige Drogen sind u. a. die Eichenrinde und der Teestrauch.
Neben Cremes und Salben können auch Auflagen, Umschläge und Bäder mit phytotherapeutischen Wirkstoffen Linderung verschaffen. Manche Patienten empfinden kühlende Umschläge mit Molke oder Quark-Auflagen im akuten Stadium als angenehm, diese aber bitte nur bei geschlossenen Ekzemen anwenden.
Bäder mit Haferstroh (Avenae stramentum) wirken adstringierend und antipruriginös. Sie sollten nur vorübergehend einmal täglich für zehn Minuten angewendet werden, da sie austrocknend wirken können.
 
Phytopharmaka zur innerlichen Anwendung
 
Im naturheilkundlichen Denken muss die Haut als Entgiftungsorgan bei atopischer Dermatitis entlastet werden. Dazu gehört auch eine Meidung von externen Noxen wie Nikotin, Alkohol sowie Nahrungsmittelzusätzen. Kuhmilcheiweiß und Hühnerei gelten in manchen naturheilkundlichen Ernährungslehren als Verstärker von Hauterkrankungen.
Über bestimmte Phytotherapeutika kann der Stoffwechsel angeregt und eine leicht diuretische Wirkung erreicht werden. Löwenzahn und Brennnesselkraut sind hier die klas
sischen „Entgifter“. Bittersüß und Ackerstiefmütterchen haben leicht antiphlogistische Wirkungen
Nachtkerzensamenöl (Oenotherae seminis oleum) enthält 8-14% Gamma-Linolensäure und 65-80% Linolsäure. Der Linolensäure werden die antiphlogistischen und immunmodulierenden Wirkungen zugeschrieben. Auch wenn die aktuelle Leitlinie zur Behandlung des atopischen Ekzems Gamma-Linolensäure aufgrund mangelnder Evidenz nicht empfiehlt, empfinden es manche Patienten doch als wohltuend.
 
Mikrobiologische Therapie
 
Die Evidenz für Probiotika beim atopischen Ekzem ist derzeit gering, es laufen aber Studien, die neben der Einnahme auch die topischen Anwendung von Probiotika evaluieren.
In der Apotheke können Sie interessierten Kunden eine mikrobiologische Stuhluntersuchung durch einen darauf spezialisierten Arzt für Naturheilverfahren nahelegen, der bei Bedarf eine gezielte Darmsanierung mit Prä- und Probiotika einleiten kann. 
 
Homöopathie
 
Bekannte homöopathische Arzneien, die bei Neurodermitis eingesetzt werden, sind u. a. Calcium carbonicum Hahnemanni und Cardiospermum, bei Pruritus seien an dieser Stelle besonders Alumina, Dolichos pruriens und Rumex genannt.
Eine homöopathische Konstitutionsbehandlung sollte von einem erfahrenen Homöopathen durchgeführt werden. Dabei werden alle individuellen Symptome herangezogen. Für 
die Behandlung des akuten Schubes können vorrangig die Hautsymptome verwendet werden. Niedrige C- und D-Potenzen sind als vorsichtiger Therapieeinstieg geeignet.
 
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Im homöopathischen Therapiesystem sollen Symptome nicht unterdrückt, verschoben oder nur vorübergehend gelindert werden. In der Komplexmittelhomöopathie wird ein therapeutischer Schwerpunkt auch auf die Ausleitung gelegt, z. B. über das Lymphsystem. EG

Quelle:

S2k-Leitlinie Neurodermitis, Hrsg. Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), AWMF-Registernummer: 013-027, Stand 31.03.2015, gültig bis 31.12.2018

Kraft, Karin / Stange, Rainer: Lehrbuch Naturheilverfahren, Hippokrates Stuttgart 2014

Blaschek, Wolfgang: Wichtl – Teedrogen und Phytopharmaka, 6. Auflage 2015, S. 229-231, WBG Stuttgart

Fintelmann, Volker / Weiss, Rudolf Fritz / Kuchta, Kenny: Lehrbuch Phytotherapie, 13. Auflage 2017, Haug Verlag Stuttgart

Jan Geißler / Thomas Quak: Leitfaden Homöopathie. 3. Auflage, Elsevier Urban & Fischer 2017, S. 457464

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