Sicca-Syndrom | Apotheken-Depesche 3/2005

Künstliche Tränen helfen dem roten Auge

Hinter dem geröteten Auge steckt meist nur eine banale Konjunktivitis. Aber vor der Selbstbehandlung muss Ernsteres ausgeschlossen werden, z.B. eine Cornea- oder Irisentzündung. Unabdingbar ist genaues Nachfragen und ein "Ja" auf die Frage, ob die Beschwerden bekannt sind. Da kein Medikament einen versiegenden Tränenfluss wiederbeleben kann, müssen beim trockenen Auge die "Tränen" substituiert werden.

Ältere Kundin

(mit Verordnung über Naproxen): ... und ich brauche etwas gegen meine roten Augen!

Apotheker

: Würden Sie bitte kurz die Augen nach oben und nach der Seite rollen. Die Bindehaut nach unten ziehen? - Ja, beide Augen und die Bindehaut sind gleichmäßig leicht gerötet. Haben Sie diese Beschwerden öfter?

Kundin

: Eigentlich ja, aber in der letzten Zeit häufiger und stärker, meine ich.

Apotheker

: Beschreiben Sie es bitte näher: Tränen die Augen, oder ist es vorwiegend ein Trockenheitsgefühl?

Kundin

: Meine Augen werden schnell müde und schwer. Meistens fühlen sie sich trocken an, sie brennen leicht, und wenn ich reibe, tut es manchmal weh, als wäre ein Sandkorn drin.

Apotheker

: Und haben sie ein eitriges Sekret, das die Augen verklebt, vor allem beim Aufwachen?

Kundin

: Nein. Ich habe im Gegenteil wenig Sekret. Als würden die Augen jedes Jahr trockener werden.

Apotheker

: Waren Sie zuletzt Staub, Rauch oder Zug ausgesetzt?

Kundin

: Eigentlich nicht. Ich gehe derzeit kaum mehr vor die Tür, mein Rheuma hat sich verschlimmert, die Gelenke wollen nicht, wie ich will.

Apotheker

: Ich sehe, dass Ihr Arzt Ihnen wieder ein Mittel gegen Schmerzen und Entzündung in den Gelenken verordnet hat. Trockene Augen können übrigens eine Begleiterscheinung von rheumatischen und bestimmten anderen Krankheiten sein.

Kundin

: Tatsächlich? Meine Arthritis plagt mich ja seit Jahren, und jetzt im Winter, wo sie sich verschlimmert, habe ich auch stärkere Probleme mit den Augen!

Apotheker

: Auch Medikamente können die Augen "trocken" machen. So viel ich weiß, nehmen sie aber lediglich Schmerztabletten, und keine Medikamente gegen Allergien, Magengeschwür oder Schlaftabletten ein ...?

Kundin

: Nichts von alledem!

Apotheker

: Ihre Beschwerden entsprechen dem "trockenen Auge", das bedeutet einen anhaltenden Mangel an Tränenflüssigkeit. Weil die Hornhaut zu wenig benetzt wird, fühlt sich jeder Lidschlag unangenehm trocken an; auch werden empfindliche Partien wie Bindehaut und Lidränder gereizt und röten sich. Wenn Sie die Beschwerden kennen - hatten Sie schon mal ein entsprechendes Medikament verwendet?

Kundin

: Gegen rote Augen bekam ich von Ihrem Kollegen Augentropfen, da ging die Rötung ganz schnell weg ...

Apotheker

: Wahrscheinlich so genannte "Weißmacher"-Augentropfen, die die Gefäße zusammenziehen. Hielt die Wirkung denn auf Dauer an?

Kundin

: ... nein, nur kurzfristig. Die Beschwerden wurden im Lauf der Zeit eher stärker.

Apotheker

: Ich rate ihnen zu filmbildenden Augentropfen. Sie bilden einen Gleitfilm auf dem Auge, wie die Tränenflüssigkeit selbst. Dadurch gehen Brennen, Jucken und Rötung zurück. Diese Tropfen wenden Sie beliebig oft an, so wie es Ihnen gut tut. Und, nicht zu vergessen, vor dem Schlafengehen ein letztes Mal. - Wenn Sie diese künstlichen Tränen anwenden, und spüren nicht sofort Erleichterung, handelt es sich nicht um ein trockenes Auge. Dann müssen Sie zum Augenarzt gehen.

Kundin

: Danke für die Beratung.

Apotheker

: Gerne! Noch ein Hinweis: Beim Eintropfen nicht das Auge berühren, um Reizung und Verkeimung zu vermeiden. (RS)


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