MS-Patientin mit Osteoporose | Apotheken-Depesche 3/2013

Hyperkalzämie durch Vitamin-D-Supplementierung

Eine US-amerikanische Arbeitsgruppe berichtet von einer MS-Patientin mit Osteoporose, die nach zweijähriger Supplementierung mit hochdosiertem Choleclaciferol und Kalzium eine schwere Hyperkalzämie entwickelte.

Die 58-Jährige mit fortgeschrittener MS, Hypertonie und Osteoporose stellte sich mit Gesichts- und Armtremor, Spastik in allen Extremitäten sowie Sprachproblemen vor. Sie berichtete über Probleme beim Ein- und Aussteigen aus dem Rollstuhl, gestörtes Gleichgewicht, abdominelle Beschwerden, Appetitlosigkeit und Lethargie, konnte weder Objekte benennen noch Sätze wiederholen und nur einfachen Anweisungen folgen. Eine durchgängige Hyperreflexie und ein Babinski-Zeichen wurden festgestellt. Ihr Kalzium-Serumspiegel war deutlich erhöht, die Serumwerte für Magnesium und Phosphor erniedrigt. Die Serumspiegel für PTH bzw. Vitamin D lagen bei 4 pg/ml bzw. 103 ng/ml. Die Frau hatte u. a. 4-Aminopyridin und Kalzium (3 x 600 mg/d), Zoledronsäure sowie Cholecalciferol und Kalzium erhalten. Im März 2009 lagen die 25-OH-Vitamin-D-Spiegel bei 33,7 ng/ml, es wurde eine Supplementierung von täglich 5000 IU Cholecalciferol eingeleitet.

In der Notaufnahme erhielt die Patientin vier Liter Kochsalzlösung, gesättigt mit Magnesium und Phosphor. Der Tremor ließ nach, die Sprachprobleme verschwanden. Die Kalzium-Serumspiegel und die renale Funktion normalisierten sich. Die Supplementierung wurde abgebrochen. Sechs Wochen später lagen die Serumwerte für Calcium, Vitamin D, PTH und 1,25-Dihydroxyvitamin D im Normbereich.

Die schnelle Erholung nach Rehydration sprach für eine Hyperkalzämie als wahrscheinlichsten Auslöser der Symptomatik. Normale Kalzium-Serumspiegel nach Abbruch der Hochdosis-Supplementierung lassen die Autoren vermuten, dass eine additive Wirkung der Cholecalciferol- und Kalzium-Supplementierung für die Hyperkalzämie verantwortlich ist.

Eine Erklärung der Autoren für die heftige Reaktion der Patientin ist die relativ lange Supplementierungsdauer, das nahezu Doppelte der üblichen Kalziumdosis, die Immobilität, Medikamenteninteraktionen oder ein besonderer Metabolismus. Sie fordern klinische Studien, in denen die Cholecalciferol-Dosis ermittelt wird, von der MS-Patienten profitieren ohne eine Hyperkalzämie zu entwickeln. Bis dahin ist bei der Supplementierung bei MS besondere Vorsicht geboten. GS


Quelle: Marcus JF. et al.: Severe hypercalcemia following vitamin d supplementation in a patient with multiple sclerosis: a note of caution., Zeitschrift: ARCHIVES OF NEUROLOGY, Ausgabe Jan;69(1):129-32. (2012)

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