Apotheken-Depesche 6/2017

Weihnachtsgans, Zimtsterne und Punsch

Festtagsschlemmerei begünstigt säurebedingte Magenbeschwerden

Akute Auslöser von säurebedingten Magenbeschwerden sind häufig zu üppige oder zu hastig verzehrte Mahlzeiten, Stress und übermäßiger Genuss von Alkohol und Nikotin. Wir haben im Folgenden wichtige Aspekte für das Beratungsgespräch bei Sodbrennen und Co. für Sie zusammengestellt.

Für die Selbstmedikation bei Magenbeschwerden und Sodbrennen stehen eine Reihe von Wirkstoffen zur Verfügung: Antazida, Filmbildner, Protonenpumpenhemmer sowie einige Phytopharmaka.
 
Antazida bei leichten und gelegentlichen Beschwerden
 
Bei leichten Beschwerden ist die Behandlung mit Antazida oder einem Filmbildner wie Alginsäure ausreichend. Antazida neutralisieren oder binden die Magensäure. Für einzelne Antazida ist auch die Bindung von Gallensäuren belegt. Außerdem stimulieren sie die Prostaglandinsynthese und -freisetzung und damit die Bildung protektiver Faktoren im Magen.
Zur Anwendung kommen v. a. Magnesiumund Aluminiumverbindungen. Calciumcarbonat wird oft mit Aluminium- und Magnesiumverbindungen kombiniert. Die verschiedenen Substanzen unterscheiden sich u. a. hinsichtlich ihrer Neutralisationskapazität und der Wirkdauer. Um die Wirkung zu optimieren, werden vielfach fixe Kombinationen eingesetzt.
Alginsäure legt sich als hochvernetztes Gel auf den Mageninhalt und kleidet die Schleimhaut der Speiseröhre aus, sodass diese bei Rückfluss von Mageninhalt geschützt ist.
Antazida und Gelbildner sind nebenwirkungsarm und können auch in der Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden. Ihre Wirkung setzt rasch ein, hält aber nur ein bis drei Stunden an. Wegen ihrer absorbierenden Eigenschaft sollten Antazida nicht gleichzeitig mit anderen Arzneimitteln eingenommen werden. Ein Einnahmeabstand von zwei Stunden wird als ausreichend erachtet.
 
PPI bei stärkerem und häufigerem Sodbrennen
 
Mittel der Wahl bei häufigem und/oder stärkerem Sodbrennen sind Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) wie Omeprazol oder Pantoprazol. Sie werden im Dünndarm resorbiert und gelangen über die Blutbahn in die Belegzellen des Magens.
Dort blockieren sie irreversibel die H+/ K+-ATPase, so dass die Salzsäureproduktion bis zur Neubildung der H+/K+-ATPase versiegt. PPI wirken dadurch trotz ihrer kurzen Plasmahalbwertszeit von nur 0,5 bis 1,5 Stunden etwa ein bis drei Tage. Die Selbstmedikation mit PPI ist auf 14 Tage beschränkt.
Unter den pflanzlichen Arzneimitteln haben vor allem Teeaufgüsse von Kamillenblüten oder Eibischwurzel eine lange Tradition bei Magenbeschwerden. Bitterstoffdrogen und Ätherisch-Öl-Drogen wie Fenchel, Kümmel, Anis, Melisse und Minze werden vor allem bei dyspeptischen Problemen angewendet.
 
Tipps für Patienten mit Sodbrennen
 
Das Beratungsgespräch zum Thema säurebedingte Magenbeschwerden können Sie mit prkatischen Tipps für den Patienten abrunden: Da bei vielen Betroffenen die Beschwerden beim Liegen zunehmen, können Sie empfehelen, mit leicht erhöhtem Oberkörper zu schlafen. Auch der Verzicht auf zu enge Kleidung oder Gürtel kann hilfreich sein. Der beste Rat, nämlich der weitgehende Verzicht auf üppige Festtagsschlemmereien mit reichlich Alkohol verhallt insbesondere in der Zeit um den Jahreswechsel leider oft ungehört.

Wann zum Arzt

Diese Patienten sollten an einen Arzt verwiesen werden

  • Patienten mit unbeabsichtigtem Gewichtsverlust, dauerhaftem oder blutigem Erbrechen, schwarz gefärbtem Stuhl, Schluckstörungen
  • Patienten mit Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren in der Vergangenheit bzw. mit Leberfunktionsstörungen
  • Patienten, bei denen die Beschwerden trotz Selbstmedikation über mehr als zwei Wochen anhalten
  • Patienten über 55 Jahre mit neu oder verändert auftretenden Beschwerden



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