Untersuchung bei kleinen Dänen und Däninnen | Apotheken-Depesche 4/2011

Erst Rhinitis, dann Asthma – das geht auch ohne Allergie

In Kopenhagen läuft die COPAC-Studie (Copenhagen Prospective Study on Asthma in Childhood). Ähnliche Asthmaquoten bei siebenjährigen Kindern mit allergischer Rhinitis und nicht allergischer Rhinitis lassen darauf schließen, dass zwischen oberen und unteren Atemwegen Verbindungen bestehen, die über eine Allergie-induzierte Entzündung hinausgehen.

An COPAC nehmen 411 Kinder seit ihrem ersten Lebensmonat teil, deren Mütter an Asthma leiden. Sie sollen sofort ins Studienzentrum an der Universität kommen, wenn sich respiratorische oder Hautsymp­tome zeigen, sonst alle sechs Monate.

Rhinitis im Alter von sieben Jahren wurde von den Ärzten nach Befragung der Eltern diagnostiziert. Sie erkundigten sich nach entsprechenden Symptomen und stellten Rhinitis fest, wenn störendes Niesen oder verstopfte oder laufende Nase das Wohlbefinden des Kindes in Zeiten ohne Erkältung oder Grippe stark beeinträchtigten. Als al­lergisch wurde der Schnupfen eingestuft, wenn eine Sensibilisierung auf Aero-allergene bestand mit einem klaren Bezug zu Zeiten mit Beschwerden. (Um die Stichhaltigkeit der Ergebnisse zu überprüfen, führten die Autoren zudem Kontrollanalysen mit anderen Definitionen durch, in denen z. B. jegliche Sensibiliserung oder nasale Eosinophilie vorkamen.) Bei nicht allergischer Rhinitis mussten Sensibilisierung oder Symptome in Zeiten der Exposition fehlen.

Mit sieben Jahren ausführlich getestet

Asthma im siebten Lebensjahr wurde nach internationalen Leitlinien festgestellt, auf der Basis von Tagebuchkarten für die Atemwege, die die Eltern ausgefüllt hatten, anhand von den Ärzten als typisch eingestufter Symptome (z. B. durch körperliche Belastung ausgelöste Beschwerden und solche, die das Kind nachts aufwecken) und anhand von Medikationsbedarf und -verlauf. Ein atopisches Ekzem in den ersten sieben Lebensjahren wurde nach Hanifin-Rajka-Kriterien diagnostiziert.

Die Autoren führten bei den Siebenjährigen mehrere objektive Messungen durch. Sie bestimmten den spezifischen Atemwegswiderstand (sRaw) durch Ganzkörper-Plethysmographie und die Reversibilität des Atemwegswiderstands durch Inhalation eines Betaagonisten. Die bronchiale Reagibilität wurde als relative Veränderung von sRaw vier Minuten nach Hyperventilation bei -18 ° C kalter trockener Luft gemessen.

Die Technik zur Messung des Stickstoffmonoxid-Gehalts in der ausgeatmeten Luft (fractional exhaled nitric oxide level, FeNO) stimmte mit Empfehlungen aus Leitlinien überein. Zu den Blutwerten zählten Zahl der eosinophilen Leukozyten sowie Gesamt- und spezifisches IgE. Sensibilisierungen gegen Aerorallergene tierischen und pflanzlichen Ursprungs inkl. Schimmelpilze wurden ermittelt; die Liste der Nahrungsmittel lautete: Hühnereier, Kuhmilch, Fisch, Weizen, Erdnuss, Sojabohne und bestimmte Meeresfrüchte. Auch wurde nach nasaler Eosinophilie gesucht.

Hohe Rate an Sensibilisierungen

Von 290 Kindern lagen alle erforderlichen Daten vor. An Rhinitis litten 36%, an Sensibilisierungen gegenüber Aeroallergenen 26%. Die Diagnose allergische Rhinitis wurde in 13% gestellt, ein nicht allergischer Schnupfen fand sich in 23%. Die Quoten derjenigen, die an Asthma litten, betrugen bei den beiden Rhinitisformen 21 bzw. 20%.

Mutationen am Filaggrin-Gen

Bei allergischer Rhinitis fand sich häufiger ein Ekzem in der Anamnese. Die Kinder ­nies­­ten u. a. mehr als diejenigen mit nicht ­allergischem Schnupfen, die dafür eher ­Prob­­leme mit verstopfter Nase hatten. Die Raten der Sensibilisierung gegenüber Nahrungsmitteln betrugen 47 bzw. 13%. Die ­allergische Rhinitis ging mit erhöhten Gesamt-IgE-Spiegeln, mehr Eosinophilie im Blut und erhöhten FeNO-Werten einher. Zudem bestand vermehrte bronchiale Reagibilität.

Bei allen kleinen Patienten mit Asthma war sRaw erhöht; nur bei gleichzeitiger ­allergischer Rhinitis fanden sich erhöhte FeNO-Werte, bronchiale Hyperreagibilität und Reversibilität durch Gabe von Betaagonisten. Bei Null-Mutationen von Filaggrin (es wurde nach zwei gängigen Formen gefahndet) bestand eine starke Assoziation mit allergischer Rhinitis. Bei von ihr betroffenen Kindern fanden sich auch ohne Asthma bronchiale Reaktionen auf kalte trockene Luft und erhöhte FeNO-Werte.

Die Autoren bezeichnen als wichtigste Einschränkung ihrer Studie, dass die Mütter aller Kinder an Asthma litten. Sie nehmen an, dass ein Bindeglied zwischen Symptomen der oberen und unteren Atemwege besteht, das über Allergie-bedingte Mechanismen hinausgeht. Dafür sprechen auch Ano­malien der Lungenfunktion bei vielen Erwachsenen mit chronischer Rhinosinusitis sowie häufige Nasensymptome bei Patienten mit COPD und Bronchiektasen. SN


Quelle: Chawes BL: Children with allergic and nonallergic rhinitis have a similar risk of asthma, Zeitschrift: JOURNAL OF ALLERGY AND CLINICAL IMMUNOLOGY, Ausgabe 126 (2010), Seiten: 567-573

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