Frisch ins Frühjahr | Apotheken-Depesche 1/2019

Detox aus der Natur

Das Frühjahr steht im Zeichen der Erneuerung. Der Winter ist überstanden, vielleicht mit einigen Kilos mehr auf den Rippen. Ernährungssünden und Infektionen während der kalten Monate haben ihre Spur hinterlassen – es ist Zeit für eine Entgiftungskur! Aber auch für schon übergewichtige und adipöse Menschen oder Patienten mit metabolischem Syndrom sind Entgiftungskuren ein guter Weg, sich mit der eigenen Gesundheit zu beschäftigen und aktive Vorbeugung zu erlernen.
Den Stoffwechsel anregen, entschlacken, entgiften, detoxen – es gibt viele Begriffe für den Wunsch, aktiv etwas für die Verbesserung der Gesundheit zu tun. Auch wenn es wie eine Modeerscheinung wirkt, sind Gesundheitskuren im Frühjahr und Herbst Teil alter volksmedizinischer Traditionen, die Fasten und die Aufnahme bestimmter Kräuter und Getränke umfassen. Die Möglichkeiten und Angebote sind unzählig, aber es gibt ein paar Klassiker. Hier stellen wir einige Phytotherapeutika vor, die im Rahmen einer Detox-Kur empfohlen werden können.
 
Chlorella-Alge bindet Toxine
 
Chlorella vulgaris gehört zur Gattung der Süßwasseralgen und findet breite Verwendung in der Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln, Kosmetika und Lebensmitteln. In naturheilkundlichen Therapiesystemen wird Chlorella auch zur Entgiftung, hier im Besonderen zur Schwermetallausleitung, z. B. nach Amalgamentfernung, angewendet. Belastende Stoffe bindet die Chlorella-Alge im Darm. Außerdem werden der Chlorella-Alge immunsystemstärkende Wirkungen zugeschrieben. Eine Chlorella-Kur sollte erfahrungsgemäß über mindestens vier Wochen erfolgen und die tägliche Dosis dabei ca. 3.000 mg betragen. Bei der Wahl des Nahrungsergänzungsmittels sollte man darauf achten, dass die Alge in Deutschland kultiviert wurde. Bei so einem hochwertigen Produkt ist von Natur aus auch noch reichlich Vitamin B12 enthalten. Als Tee steht die Droge nicht zur Verfügung.
 
Brennnessel und Ackerschachtelhalm für die Nieren
 
Bei der Brennnessel wird zwischen Urtica dioica, der Großen Brennnessel, und Urtica urens, der Kleinen Brennnessel, unterschieden. Verwendet wird zumeist Urtica dioca. Hier sind vor allem die Inhaltsstoffe der Blätter pharmakologisch interessant – u. a. Flavonoide, Anthocycane und Polyphenole. Sowohl eine diuretische als auch eine antiphlogistische Wirkung wurde nachgewiesen. Besonders für Menschen, die zu Gliederschmerzen neigen, eignet sich eine Therapie mit Brennnesseln. Das Phytotherapeutikum erhöht die Harnmenge und eignet sich zur Durchspülungstherapie, auch bei leichten Harnwegsinfekten. Als Teekur wird mehrmals täglich eine Tasse über mehrere Wochen empfohlen. Zubereitung: 2 TL fein geschnittenes Kraut mit 1 Tasse kochendem Wasser aufgießen und 10 Minuten ziehen lassen.
Ebenso wie die Brennnessel kennen viele Gartenbesitzer den Ackerschachtelhalm als Unkraut. Equisetum arvense, genauer Equiseti herba, enthält jedoch ca. 10 % mineralische Bestandteile, die das Kraut zu einer Medizinalpflanze machen. Für die diuretische Wirkung sind vor allem Kieselsäure und Silikate verantwortlich. Anwendungsgebiet nach HMPC (Committee on Herbal Medicinal Products: traditional use) ist somit auch die Erhöhung der Harn menge und die Durchspülungstherapie. Als Teezubereitung werden 2–4 TL Droge mit kochendem Wasser übergossen und 5 Minuten lang gekocht, danach noch 10–15 Minuten ziehen lassen. Die Anwendung kann über drei Wochen erfolgen. Viele Fertigarzneimittel stehen zur Verfügung.
 
Löwenzahn für die Galle
 
Wichtige Inhaltsstoffe von Taraxacum officinale sind Phytosterine, Bitterstoffe (z. B. Taraxacin) und Triterpenoide. Sie sorgen für die cholagoge und leicht diuretische Wirkung der Pusteblume. Im Frühjahr können die Blätter des Löwenzahnes zusammen mit anderen Frühlingspflanzen als Salat verzehrt werden. Als Droge werden Wurzeln und Kraut, Taraxaci radix cum herba, verwendet. Für eine Teekur werden über vier bis sechs Wochen morgens und abends eine Tasse getrunken. Zubereitung: 1–2 TL fein geschnittene Droge mit 1 Tasse Wasser kalt ansetzen, aufkochen und 10 Minuten ziehen lassen.
 
Mariendistel für die Leber
 
Die Früchte von Silybum marianum enthalten den gut untersuchten Wirkstoffkomplex Silymarin, der antihepatotoxische und hepatoprotektive Effekte hat. Nach heutigen Erkenntnissen beruht die therapeutische Wirksamkeit des Silymarins (hier besonders des Hauptisomers Silibinin) auf dessen Radikalfänger- und Antioxidationseigenschaften, auf einer Strukturveränderung der äußeren Leberzellmembran und auf einer Stimulierung der Leberzellregeneration. Durch die Radikalfängereigenschaften trägt Silibinin auch zur Erhaltung des Glutathionpools in den Leberzellen bei – dies ist wichtig für die Entgiftung verschiedenster Substanzen. Eine Kur mit Mariendistel sollte über mehrere Monate durchgeführt werden und eignet sich für Menschen, die ihre Leber durch zu viel Alkohol oder fette Speisen belastet haben. Teepräparte sind hier nicht zu empfehlen, es sind zahlreiche standardisierte Phytopharmaka erhältlich. EG

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