Prävention der Osteoporose | Apotheken-Depesche 6/2013

Calcium und Bewegung für starke Knochen

Osteoporose gehört zu den großen Volkskrankheiten. Früher galt die schmerzhafte Skeletterkrankung als typische Frauenkrankheit. Aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung sind jedoch mittlerweile auch immer mehr alte Männer davon betroffen.

Osteoporose ist charakterisiert durch eine erniedrigte Knochenmasse und die Zerstörung der Mikroarchitektur des Knochengewebes. Die Knochen verlieren an Elastizität und Stabilität, so dass es leichter zu Frakturen kommt.

Rauchen, Untergewicht und Immobilität vermeiden

Eine Reihe von Faktoren beeinflusst den Knochenstoffwechsel. Negativ auf die Knochenbildung wirken sich beispielsweise ein hoher Kaffeekonsum (Koffein), Rauchen, Alkohol, Untergewicht und bestimmte Nahrungsinhaltsstoffe wie Phytin oder Oxalsäure aus. Dagegen zählen vor allem körperliche Aktivität, Calcium und Vitamin D zu den positiven Faktoren für die Bildung von Knochenmasse.

Natürlicherweise befindet sich die Knochensubstanz in einem ständigen Auf- und Abbau. Im Kindes- und Jugendalter überwiegt der Aufbau. Die Knochenmasse nimmt stetig zu und erreicht zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr ihr Maximum (peak bone mass). Danach dominieren die knochenabbauenden Prozesse. Pro Jahr sinkt die Knochenmasse um etwa 0,3%. Nach der Menopause verlieren Frauen aufgrund des Östrogenabfalls jährlich 1,5% der Knochenmasse. Bei Osteoporose kann die Abnahme der Knochenmasse jährlich bis zu 5% betragen.

Auch wenn nicht jeder Risikofaktor beeinflussbar ist – beispielsweise die genetische Veranlagung oder das Alter – so gibt es doch eine Reihe von Ansatzpunkten für eine wirkungsvolle Osteoporose-Prävention, die auch im hohen Lebensalter sinnvoll sein können.

Bewegung wirkt auf den Knochen

Gravitationskraft, Zug- und Druckbelastungen fördern den Knochenaufbau. Umgekehrt führt Immobilisation nicht nur zu einer Muskelatrophie, sondern auch zu einer erheblichen Abnahme des Knochenmineralgehaltes. Für ältere Menschen werden mittlerweile speziell konzipierte Bewegungs- und Trainingsprogramme angeboten, die besonders in den Bereichen wirksam werden, die am stärksten durch Frakturen gefährdet sind (Oberschenkelknochen, Wirbelsäule, Unterarm). Bei sehr hohem Sturzrisiko sollten zudem gezielte Maßnahmen zur Risikoreduktion getroffen werden, beispielsweise die konsequente Anwendung von Hüftprotektoren.

Milch und Käse – Lieferanten für Calcium

Da Untergewicht das Risiko für Osteoporose erhöht, ist insgesamt auf eine ausgewogene und ausreichende Ernährung zu achten. Die Ernährungsfachgesellschaften empfehlen Erwachsenen eine tägliche Calciumzufuhr von etwa 1000 mg.

Die wichtigsten Calciumlieferanten sind Milch und Milchprodukte. Diese Lebensmittel sind insofern günstig, als sie Calcium und Phosphat in dem für die Biomineralisation optimalen Verhältnis 1:1 enthalten. Auch ist die Bioverfügbarkeit von Calcium aus Milch und Milchprodukten wegen der resorptionsfördernden Inhaltsstoffe Laktose und Vitamin D höher als aus anderen Lebensmitteln.

Supplemente dem Bedarf anpassen

Einige Gemüsesorten wie Grünkohl, Broccoli, Fenchel und Lauch enthalten relativ viel Calcium. Trotz geringerer Bioverfügbarkeit können sie dazu beitragen, die empfohlene Calciumzufuhr zu realisieren. Einen weiteren Beitrag leisten calciumreiche Mineralwässer (mind. 150 mg/l).

Eine Substitution von Calcium und Vitamin D3 ist dann erforderlich, wenn die Versorgung über die Ernährung nicht sichergestellt ist bzw. wenn die UV-Lichtexposition durch Aufenthalt im Freien nicht zur Vitamin-D-Eigensynthese ausreicht. Für die orale Gabe eignen sich insbesondere Calciumsalze organischer Säuren. Sie besitzen eine hohe Bioverfügbarkeit und sind gut verträglich. Patienten, die zur Bildung von Steinen in den ableitenden Harnwegen neigen, ist eine reichliche Flüssigkeitsaufnahme zu empfehlen. Die Gesamtzufuhr aus Nahrungscalcium und Supplementen sollte möglichst auf ca. 1500 mg begrenzt werden, da für höhere Mengen bisher kein zusätzlicher Nutzen belegt ist und es insbesondere bei Personen mit einer Niereninsuffizienz Hinweise für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko gibt.

Neue Referenzwerte für Vitamin D

Im Januar 2012 hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) neue Referenzwerte zur Vitamin-D-Zufuhr veröffentlicht, die vierfach höher liegen als die bis dahin geltenden Werte. Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene beträgt der Schätzwert für den Vitamin-D-Bedarf 20 µg pro Tag. Man geht davon aus, dass Erwachsene täglich 2 bis 4 µg Vitamin D über die Ernährung aufnehmen. Die wichtigsten Nahrungsquellen sind fettreiche Fische wie Hering, Lachs und Heilbutt sowie Eigelb, Kalbfleisch und Speisepilze. Damit der Körper den fehlenden Anteil selbst synthetisieren kann, ist eine ausreichende Sonnenlicht-Exposition erforderlich. Für Personen, die sich – wie viel ältere Menschen – kaum im Freien aufhalten, ist die Einnahme eines Vitamin-D-Präparates empfehlenswert. Für Supplementierung von Vitamin D werden vielfach Tagesdosen von 400 bis 1000 IE (10 bis 25 µg) zur Primärprophylaxe empfohlen.

Alle genannten Maßnahmen spielen auch in der Sekundärprävention eine wichtige Rolle, d. h. sie können das Fortschreiten der Erkrankung hemmen. ais


Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.