Chinesische Heilpflanzen | Apotheken-Depesche 9/2003

Amenorrhö durch Lei gong teng

Eine 36-Jährige hatte seit fünf Monaten keine Regel gehabt und litt an Hitzewallungen, Nachtschweiß sowie trockener Vagina und reduzierter Libido, wie sich anlässlich einer Behandlung genitaler Effloreszenzen in einer britischen Klinik ergab. Die Serumspiegel von FSH und LH waren deutlich erhöht, das 17beta-Estradiol erniedrigt. Man vermutete als Ursache eine vorzeitige Menopause. Sie hatte allerdings während dieser Zeit wegen Psoriasis die chinesische Heilpflanze Lei gong teng (Tripterygium wilfordii) eingenommen.

Zwei Monate nach Einnahmestopp des chinesischen Heilkrauts war der Hormonstatus bereits besser, nach einem weiteren Monat setzte die Periode wieder ein. Tripterygium wilfordii wird in der traditionellen chinesischen Medizin bei Arthritis und anderen Autoimmunerkrankungen eingesetzt, da es wahrscheinlich immunsuppressiv und entzündungshemmend wirkt. Es entfaltet jedoch - über unbekannte Mechanismen - auch ein suppressiven Effekt auf die weiblichen und männlichen Gonaden. Schon 1989 wurde über 14 ähnliche Fälle berichtet. Sieben Monate nach Absetzen hatte die Periode bei 60% der Frauen wieder eingesetzt. Der fertilitätsmindernde Effekt des Phytopharmakons führte auch schon zu Forschungsbemühungen, daraus ein Kontrazeptivum für Männer zu entwickeln. Trypterygium-Extrakte vermindern Dichte und Motilität der Spermien. Bei einem Mann kam es nach Einnahme eines Extraktes aus der Pflanze allerdings zu tödlichem Multiorganversagen, an dem vermutlich eine hochgradige Leukozyten-Depression beteiligt war. (RB)


Quelle: Edmonds, SEF: Reversible ovarian failure induced by a Chinese herbal medicine: lei gong teng, Zeitschrift: BJOG: British journal of obstetrics and gynaecology, Ausgabe 110 (2003), Seiten: 77-78

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