Apotheken-Depesche 3/2017

Individuelle Beratung

Reiseapotheke den Bedürfnissen anpassen

Ein Familienurlaub in Österreich stellt andere Anforderungen an die Reiseapotheke als ein Trekkingurlaub junger Erwachsener in den Anden. Mit einer individuell zusammengestellten Reiseapotheke ist der Kunde für viele Situationen gut gerüstet. Finden Sie hier wichtige Aspekte für Ihre Beratung.

Natürlich müssen zuerst all jene Medikamente eingepackt werden, die der Kunde regelmäßig benötigt – z. B. Blutdrucktabletten, Pille oder Mittel gegen Diabetes ggf. samt Zubehör. Flugreisende sollten Medikamente, die sie unbedingt benötigen, im Handgepäck mitnehmen. Für Insulin und die dazugehörigen Hilfsmittel gibt es besondere Kennzeichnungspflichten. Auch bei der Mitnahme von Betäubungsmitteln müssen die Vorschriften des Reiselandes eingehalten werden.
Darüber hinaus sollte für individuelle gesundheitliche Schwachstellen vorgesorgt werden. Wer z. B. zu Migräne neigt oder regelmäßig von Lippenherpes geplagt wird, sollte entsprechende Medikamente mitnehmen.

Magen und Darm im Fokus

Im Urlaub haben viele Menschen mit Obstipation zu kämpfen. Das kann an einer veränderten Ernährungsweise, langem Sitzen oder einem ungewohnten Tagesablauf liegen. Für die kurze Zeit des Urlaubs können Laxanzien in der Regel bedenkenlos angewendet werden. Heftige Durchfälle, wie sie vor allem bei Reisen in den Süden auftreten, beruhen meist auf Infektionen mit pathogenen E. coli, Cholera- Vibrionen, Rota- oder Noroviren sowie Salmonellen. Die Ansteckung erfolgt beispielsweise über Türklinken, WC-Schüsseln, Trinkwasser und rohe Speisen. Meist klingen die Beschwerden nach einigen Tagen komplikationslos ab.
Die wichtigste Maßnahme ist eine orale Rehydratation. Andernfalls kann der Flüssigkeits- und Elektrolytverlust zu Blutdruckabfall und Schwäche bis hin zu einem lebensbedrohlichen Kreislaufzusammenbruch führen.
Zur Flüssigkeitszufuhr eignen sich elektrolythaltige Lösungen. Der Zusatz von Zucker verbessert die Aufnahme der Elektrolyte aus dem Darm. Die Mitnahme entsprechender Fertigmischungen sollte Ferntouristen dringend empfohlen werden. Als Arzneistoff der Wahl bei starken Reisedurchfällen gilt Loperamid. Es bremst die gesteigerte Darmmotilität. Ohne ärztliche Untersuchung sollte es nicht länger als zwei Tage angewendet werden.

Schmerzmittel und Nasenspray

Um für Kopfschmerzen, Menstruationsbeschwerden oder Verletzungen gerüstet zu sein, gehört ein Analgetikum in die Reiseapotheke. Erwachsene können Ibuprofen, Paracetamol oder Diclofenac verwenden. Für Kinder ist bei Schmerzen und Fieber Ibuprofen-Saft geeignet.
Klimaanlagen oder Zugluft in Hotels oder Bussen können selbst auf einer Sommerreise eine Erkältung verursachen. Deswegen sollten Reisende entsprechend vorsorgen: schleimhautabschwellende Nasentropfen, Halsschmerztabletten, Hustenlöser und Hustenstiller.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist Verbandsmaterial: Hier sollte die Ausstattung je nach Reiseziel und geplanten Aktivitäten mehr oder weniger umfangreich sein. Zur Basisausstattung gehören Wunddesinfektionsmittel, Wundschnellverband, sterile Kompressen, Mullbinden und Heftpflaster. Für den Badeurlaub ist ein Sprühverband für kleine Wunden empfehlenswert. Auch eine elastische Binde zum Stabilisieren von verstauchten Gelenken sollte dabei sein. Pinzette und Zeckenkarte sind hilfreich, um Splitter oder Stachel bzw. Zecken zu entfernen.
Gegen Juckreiz und Schwellung nach einem Insektenstich kann ein Antihistaminikum-Gel verwendet werden. Sonnenschutzpräparate gehören bei fast jedem Reiseziel ins Gepäck. Das gilt auch für Repellenzien.

Reisekrankheit vorbeugen

Wer zu Reiseübelkeit neigt, sollte ein entsprechendes Präparat schon vor Reiseantritt einnehmen. Die meisten Arzneimittel gegen Reisekrankheit enthalten das Antihistaminikum Dimenhydrinat. Nach oraler Applikation setzt die Wirkung nach etwa 30 Minuten ein, erreicht nach etwa einer Stunde ihr Maximum. Aus einem medizinischen Kaugummi erfolgt die Resorption von Dimenhydrinat schneller, so dass die maximale Wirkung schon nach etwa einer halben Stunde erreicht ist.
Auch Pyridoxin (Vitamin B6) und Ingwer werden gegen Reiseübelkeit und Erbrechen eingesetzt. Bei starken Beschwerden können verschreibungspflichtige Scopolamin-Pflaster angewendet werden.

Gut zu wissen

Grundausstattung einer Reiseapotheke:

  • Obstipation: z. B. Bisacodyl, Natriumpicosulfat, Macrogol
  • Durchfall: Loperamid, Elektrolyt- Substitution, Desinfektionsmittel zur Händedesinfektion
  • Schmerzen/Fieber: Ibuprofen, Paracetamol oder Diclofenac, Kinder: Ibuprofen
  • Erkältung: abschwellende Nasentropfen, Halsschmerztabletten, Hustenlöser, Hustenstiller
  • Allergische Hautreaktionen: Gel mit Antihistaminikum oder Kortison
  • Sportverletzungen: z. B. Diclofenacoder Beinwell-Gel
  • Verletzungen: Wunddesinfektionsmittel, Verbandmaterial
  • Sonstiges: Fieberthermometer, Splitterpinzette, Sonnenschutz,



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