Apotheken-Depesche 12/2009

Erkältungszeit = Lippenherpeszeit

Lästiges Duo: Erkältung und Lippenherpes

Viele Apothekenkunden leiden im Winter an einer Erkältung. Und Lippenherpesgeplagte werden häufig, wenn sie verschnupft sind, auch noch von den Bläschen an der Lippe heimgesucht. Der Grund: Ist das Immunsystem durch die Erkältung geschwächt, begünstigt dies den Ausbruch der Herpesviren. Neben der Empfehlung eines wirksamen Virustatikums wie Penciclovir, können Sie Ihren Kunden außerdem Tipps geben, wie sich die Übertragung der Viren auf andere Körperareale vermeiden lässt.

Kundin (Mitte 20): (1) Meine Lippe kribbelt und spannt so komisch – ich glaube, ich bekomme gerade so ein blödes Lippenbläschen!

Apothekerin: Haben Sie das schon einmal gehabt?

Kundin: Bisher nur ganz selten. Meistens aber genau dann, wenn ich es überhaupt nicht gebrauchen konnte. Letztes Mal war es direkt vor einem wichtigen Vorstellungsgespräch.

Apothekerin: (2) Stress, wie beispielsweise vor einem wichtigen Termin, ist ein bekannter Auslöser für die Lippenbläschen. Die eigentliche Ursache aber ist eine vorangegangene Infektion mit dem Herpes-Virus. Die Ansteckung erfolgt meist schon in der Kindheit durch Tröpfen- oder Schmierinfekte. Man schätzt, dass über 90% der Bevölkerung das Virus in sich tragen. Trotzdem bricht es nur bei ca. 30% aller Infizierten aus.

Kundin: Aber ich hatte in den letzten Tagen gar keinen Stress – ich war erkältet und musste ein paar Tage das Bett hüten.

Apothekerin: (2) Auch eine Erkältung zählt zu den typischen Auslösefaktoren bei Lippenherpes, denn ein Lippenherpesausbruch hängt stets mit einer Schwächung des Immunsystem zusammen. Wenn die Wachposten des Immunsystems mit der Abwehr der Erkältungserreger beschäftigt sind, kann das Herpesvirus seine Chance nutzen: Es kommt aus seinem Versteck in den Nervenknoten, dringt über die Nervenbahnen nach vorne und befällt die Hautzellen im Lippenbereich.

Kundin: Heißt das, diese lästigen Lippenbläschen können immer wieder kommen?

Apothekerin: (3) Leider ist eine endgültige Heilung des Lippenherpes bis heute noch nicht möglich. Trotzdem kann man etwas tun, um einem Ausbruch vorzubeugen: Ausgewogene Ernährung, viel Bewegung und ausreichend Schlaf stärken das Immun-

system, so dass einem Virenausbruch entgegen gewirkt wird. Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen dazu, sollte die betroffene Stelle möglichst frühzeitig mit einer Lippenherpescreme behandelt werden. Wie lange spüren Sie denn schon die Symptome?

Kundin: Erst seit heute früh. Es begann mit einem Brennen und Kribbeln ...

Apothekerin: Ich sehe, es bilden sich auch schon kleine Bläschen. Dies kann innerhalb weniger Stunden geschehen.

Kundin: Heißt das, ich komme zu spät?

Apothekerin: (4) Aber nein, Hilfe ist auch jetzt möglich. Zum Glück gibt es spezifische Mittel, die den Krankheitserreger noch in der Lippenzelle erreichen, die er schon befallen hat. Für den Wirkstoff Penciclovir hat eine klinische Studie die Wirksamkeit in der Bläschenphase belegt*...

Kundin: Wenn das Zeug so stark wirkt, ist es bestimmt so eine chemische Keule?

Apothekerin: (4) Im Gegenteil. Penciclovir ist ein selektiv wirksames Virustatikum. Das heißt, es wirkt gezielt nur in den infizierten Zellen. Dort wird es aktiviert und verhindert die weitere Vermehrung des Virus. So gewinnt die Immunabwehr wieder die Oberhand. Der natürliche Heilungsverlauf setzt rasch ein. Das Mittel lindert somit nicht nur Schmerzen und Juckreiz, sondern Lippenherpes verheilt um bis zu 31% schneller.*

Kundin: Gut, das trage ich sofort auf!

Apothekerin: Doch Vorsicht, die hochinfektiösen Bläschen enthalten Millionen von Viren. Wenn Sie sich nach dem Berühren der Bläschen nicht gründlich die Hände waschen können, kann die Infektion über die Finger auf andere Körperstellen oder andere Personen übertragen werden.

Kundin: Zu Hause ist das Hände waschen kein Problem, aber ich bin viel unterwegs ...

Apothekerin:

Kundin: Danke für die Beratung! MW

(1) Herpes-simplex (HSV)-Infektionen

• HSV Typ 1: meist Lippe, Nase, Wange (Herpes labialis bzw. facialis)

• Über 90% der Bevölkerung sind Träger von HSV-1, bei 20-45% regelmäßige Ausbrüche

• Virus persistiert in Ganglien

(2) Virus-Reaktivierung z. B. durch:

• Fieberhafte Infekte

• Psychischen Stress, Ekel

• Hormonelle Ursachen (Menstruation, Schwangerschaft)

• Starke UV-Strahlung (Strand, Berge)

• Hautreizung, -verletzung

• Immunsuppression, Medikamente (Kortison, Antibiotika, Zytostatika, Impfungen)

(3) Dem Ausbruch durch Stärkung des Immunsystems entgegenwirken, z. B. durch

• Ausgewogene Ernährung

• Viel Bewegung

• Ausreichend Schlaf

• Vermeidung von Stress

(4) Selektive Virusstatika

• Guaninderivate (Penciclovir, Aciclovir) werden selektiv in infizierten Zellen aktiviert (Virusenzyme beteiligt)

• Hemmen als falsches Substrat die Virusvermehrung (Nuklosidanaloga)

• Penciclovir zeigt in Studien* Wirksamkeit beim ersten Kribbeln als auch noch in der Bläschenphase




GFI Der Medizin-Verlag

Anschrift

GFI. Gesellschaft für medizinische Information mbH
Paul-Wassermann-Straße 15
81829 München

Telefon: +49 89 4366300
Fax: +49 89 436630210
E-Mail: info@gfi-online.de

Copyright © 2017, GFI | AGB | Sicherheit und Datenschutz | Impressum