Apotheken-Depesche 5/2017

Die Schokolade ist nicht schuld

Aktuelles Beratungswissen: Akne vulgaris

Im Jugendalter sind nahzu alle von einer Akne betroffen. Mehr als die Hälfte der Fälle verlaufen dabei mild und können im Rahmen der Selbstmedikation behandelt werden. Damit Sie fit für das Beratungsgespräch sind, haben wir hier aktuelles Wissen zum Thema Akne für Sie zusammengestellt

Eine Akne äußert sich durch Seborrhö, nicht entzündliche und entzündliche Läsionen (offene und geschlossene Komedonen bzw. Papeln, Pusteln) und unterschiedlich schwere Vernarbung. Am häufigsten betroffen sind Gesicht, Nacken, oberer Thorax, Schultern und Rücken.
 
Picking kann zum Aufflackern der Akne führen
 
Mehr oder weniger von Akne betroffen sind fast alle 15- bis 17-Jährigen, mäßig bis schwer aber nur etwa 15 bis 20% der Jugendlichen. Die Akne beginnt typischerweise in der frühen Pubertät mit vermehrter Fettproduktion und Komedonen in der Gesichtsmitte, gefolgt von entzündlichen Läsionen.
Wer Familienmitglieder hat, die ebenfalls an Akne litten, ist häufiger betroffen. Gründe für das Fortdauern der Akne bei Erwachsenen wurden bisher nur wenig untersucht. Zum Aufflackern führen können u. a. der Menstruationszyklus, Picking genannte Hautbearbeitung (Quetschen etc.) und emotionaler Stress.
Die leichte entzündliche Akne geht zurück oder verschwindet bei vielen als Teenies Betroffenen. Die Seborrhö besteht aber weiter.
Schwere Akne ist bei Menschen, die rauchen häufiger. Möglich ist auch eine Verschlimmerung durch Okklusion der Hautoberfläche mit fettigen Produkten („Pomade-Akne“), Kleidung und Schwitzen. Substanzen wie Antiepileptika induzieren typischerweise eine sogenannte monomorphe Akne.
 
Studien zu Ernährung oft wertlos
 
Kost, Sonnenlicht und Hauthygiene wurden als beteiligt angesehen, aber es gibt nur wenige Belege, um solche Annahmen zu unterstützen oder zu widerlegen. Ein Review sprach dafür, dass Milchprodukte, v. a. Milch selbst, das Aknerisiko erhöhen, doch alle dabei erfassten Beobachtungsstudien hatten deutliche Schwächen.
Untersuchungen, in denen junge Menschen viel Schokolade verspeisten, um Akne zu provozieren, waren zu klein und dauerten nicht lange genug, um einen entsprechenden Effekt zu widerlegen. Eine randomisiert-kontrollierte Studie unterstützt derzeit die Theorie vom Einfluss der glykämischen Last beim Essen (evtl. Besserung bei niedriger Last). Obwohl Akne mit zunehmender Körpermasse assoziiert worden ist, gibt es keine Hinweise darauf, dass Restriktionsdiäten helfen.
Vier Prozesse sind maßgeblich für die Akneentstehung: Freisetzung von Entzündungsmediatoren in die Haut hinein, Veränderung des Verhornungsprozesses, die zu Komedonen führt, vermehrte und veränderte Sebumproduktion (unter Androgeneinfluss oder bei erhöhter Androgenrezeptor-Sensitivität) und Besiedlung der Follikel mit Propionibacterium acnes. Die genaue Abfolge der Prozesse und evtl. Interaktionen mit anderen Faktoren sind unklar.
 
Akne kann die Psyche stark belasten
 
Akne geht mit physischen Symptomen wie Wundsein, Jucken und Schmerzen einher und beeinträchtigt die Lebensqualität. Die psychische Belastung beruht auf mehreren Faktoren. So betrifft Akne ein wesentliches Organ der sozialen Darstellung (Kulturen und Gesellschaft fordern eine makellose Haut) und die Akne gipfelt in einem Alter, das für den Aufbau von Selbstvertrauen und Selbstachtung entscheidend ist. Der Schweregrad der Läsionen und die psychische Beeinträchtigung korrespondieren nicht unbedingt. Auch Menschen mit leicht er Symptomatik können massiv beeinträchtigt sein.
 
Beratung von Patienten mit Akne
 
In der Beratung von Aknepatienten sollten Mythen über Akne ausgeräumt werden und Betroffenen erklärt werden, dass die meisten Therapien nicht zur Heilung führen und ihr Erfolg, der auf der Verhinderung neuer Läsionen beruht, z. T. nicht nur Wochen, sondern Monate auf sich warten lässt. Außerdem müssen dabei oft initiale Hautreizungen in Kauf genommen werden.
Auch das sollten Aknepatienten wissen: Dass Waschen Akne verursacht oder heilt, ist nicht belegt. Klären Sie deshalb die Betroffenen über Seifen und antibakterielle Hautreiniger auf.




ICD-Codes: L70.0

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