Chronische Obstipierte nicht sitzen lassen! | Apotheken-Depesche 9/2001

Zwischen Verstopfung und "Horror autotoxicus"

20 bis 30 Prozent der Deutschen klagen über Verstopfung - Frauen öfter als Männer, Alte häufiger als Junge. Wirklich obstipiert ist von ihnen allenfalls jede/r vierte. Über die Krankheit, die nur ein Symptom ist, herrschen viele falsche Vorstellungen, z.B. die, sich selbst zu vergiften. Chronische Obstipation verursacht einen Leidensdruck, dem Sie abhelfen können. Auch wenn die dahinter steckenden Lebensgewohnheiten oft bedenklicher sind, als die Verstopfung selbst.

Apothekerin: Was kann ich für Sie tun? Kundin (schlank, gepflegt, ca. 40 Jahre): Unter uns: Ich habe Verdauungsprobleme. Ich meine, Verstopfung. Können Sie mir ein gutes Abführmittel empfehlen...? Apothekerin: Sicherlich, mehrere. Aber zuvor sollten wir klären, welcher Art ihre Verdauungsprobleme sind. Ist das Problem akut aufgetreten, oder leiden Sie schon länger darunter? Kundin: Eigentlich schon seit Wochen. Apothekerin: Und: Verraten Sie mir - ganz unter uns -, wie oft Sie Stuhlgang haben, bzw. nicht haben? Kundin: Zu selten. Naja, jedenfalls nicht jeden Tag, wie es sich gehört ... Zweimal pro Woche vielleicht. Apothekerin: Das liegt noch im Bereich des Normalen. Es gibt eigentlich keine feste Regel, wie oft man "muss". Darf ich fragen, ob der Stuhlgang mit Entleerungsstörungen verbunden ist, z.B. pressen? Und ist der Stuhl hart? Kundin: Nicht immer, aber ziemlich oft. Apothekerin: Wenn eine Verstopfung eine chronische Angelegenheit wird, kann es mehrere Ursachen haben. Meist stecken Ernährungsfehler und Mangel an körperlicher Bewegung dahinter. Wenn Sie wenig Ballaststoffe zu sich nehmen, fehlt dem Darm ein natürlicher Entleerungsanreiz. Wenn der Körper zudem wenig Flüssiges erhält, dickt der Darminhalt stark ein und kann nur schmerzhaft entleert werden. Mitunter hält man deswegen den Stuhl zurück - ein Teufelskreis... Kundin: Einiges von dem was Sie sagen, trifft auf mich zu. Dass Ballaststoffe gesund sind, weiß ich; nur: ich habe einen stressigen Job, esse unregelmäßig und ziemlich oft das, was man Fast Food nennt. Apothekerin: Stress im Job und dauerndes Unterdrücken des natürlichen Stuhlreflexes nimmt der Darm auf Dauer übel. Besser wäre, den Darm an regelmäßigen Stuhlgang zu gewöhnen, z.B. morgens. Ein weiterer Punkt, der zu klären ist: Erkrankungen, z.B. eine Schilddrüsen-Unterfunktion oder eine Stoffwechselerkrankung sowie bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung eine Verstopfung fördern. Kundin: In der Hinsicht gibt es bei mir nichts zu berichten. Ich war auch beim Hausarzt. Ich bin organisch gesund. Er meinte, ich solle Leinsamen in den Jogurt rühren. Das mache ich nun seit Tagen, ohne spürbaren Effekt... Apothekerin: Leinsamen wird oft nicht richtig angewendet. Wichtig ist schon, die richtige Sorte zu wählen: Ich empfehle ihnen eine Spezialzüchtung, die bei Wasserzufuhr besser quillt als die normale Ware. Nehmen Sie den Leinsamen außerdem ungeschrotet ein, und zwar - zwischen den Mahlzeiten. Also nicht zum Jogurt o.ä. Ganz wichtig: Trinken Sie pro Esslöffel mindestens 150 Milliliter Flüssigkeit. Sonst kleben die Quellstoffe im Darm zusammen und verschließen ihn. Kundin: Das Rezept ist mir neu. Haben Sie noch weitere gute Tipps? Apothekerin: Gerne! Sie wissen, dass die Grundlage einer gesunden Verdauung eine vernünftige Ernährung ist. Achten Sie auf ballaststoffreiche Kost - viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte. Trinken Sie nach dem Aufstehen ein Glas Wasser oder Fruchtsaft - das weckt den Darm auf. Essen Sie morgens drei, vier Dörrpflaumen oder -feigen. Nehmen Sie dafür weniger "leere Kalorien" zu sich - damit sind vor allem Zucker, Fett und Alkohol gemeint. Günstig sind hingegen Milchsäure-haltige Nahrungsmittel: Jogurt, Molke, Buttermilch, milchsauer vergorenes Sauerkraut. Milchsäure, auch Milchzucker, fördert eine gesunde Darmflora. Kundin: So also kommt der Darm in Schwung ... vielen Dank. (RS)


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