Autoimmun-Gastritis, entzündliche Darmerkrankungen, Ernährung | Apotheken-Depesche 5/2013

Zahlreiche Ursachen für Vitamin-B12-Mangel

Die häufigste Ursache für schweren Vitamin-B12-Mangel ist die perniziöse Anämie (Autoimmun-Gastritis): Durch die Bildung von Autoimmun-Antikörpern kommt es zur Zerstörung der Parietalzellen im Magen und zu einem Mangel an Intrinsic Factor. Die perniziöse Anämie muss lebenslang behandelt werden, andere Ursachen lassen sich leichter beheben.

Die Immunantwort ist auch gegen die H+/K+-ATP-ase im Mangen gerichtet; so kommt es zur Achlorhydrie (Fehlen von Magensaft im Magen). Häufig vergesellschaft sind damit andere Autoimmunerkrankungen, insbesondere Schilddrüsenleiden, Typ-1-Diabetes und Vitiligo. Ob H.pylori eine kausale Rolle spielt, ist unklar. Die Autoimmun-Gastritis kann früh Eisen-Malabsorption verursachen und schließlich zur Vitamin-B12-Malabsorption führen. DIe perniziöse Anämie tritt in jeder Altersgruppe auf, doch liegt der mediane Altersbereich bei 70 bis 80 Jahren.

Die Prävalenz beträgt bei älteren Personen mit europäischen Vorfahren 4%. Leichtere Formen mit Hypochlorhydrie und Unfähigkeit, an Nahrungsproteine gebundenes Vitamin B12 freizusetzen, betreffen bis zu 20% der älteren Erwachsenen.

Zu den Ursachen schwerer Malabsorption von Vitamin B12 zählen neben perniziöser Anämie u. a. eine Gas­t­rektomie, bariatrische OPs, Ileum-Resektion oder Organrekonstruktion mit Ile­umteilen, entzündliche Darmerkrankungen, tropische Sprue und weitere Syndrome. Eine leichte Malabsorption kann durch unzureichende Aufnahme von Nahrungsprotein-gebundenem Vitamin B12 verursacht sein, durch leichte atrophische Gastritis, Einnahme von Metformin oder Magensäure-blockierenden Medikamenten. Vitamin-B12-Mangel kann auch durch vegane oder vegetarische Kost oder fleisch- und milchproduktarme Ernährung entstehen.

Findet sich ein klinisch bestätigter Vita­min-B12-Mangel bei einem Patienten, der ausreichende Vitamin-B12-Mengen aufnimmt, muss eine Malabsorption vorliegen (ursächliche gastrointestinale Erkrankungen können dem Mangel um viele Jahre vorausgehen).

Die Therapie des Vitamin-B12-Mangels ist generell durch eine Substitution intramuskulär oder mit hohen oralen Dosen möglich. Die hämatologische Reaktion auf die Vita-mingabe erfolgt rasch; die Retikulozyten steigen in einer Woche, eine megaloblastäre Anämie wird in sechs bis acht Wochen korrigiert. Bei schwerer Malabsorption gibt man zusätzlich Eisen und Folat entsprechend dem Bedarf für völlige hämatologische Erholung.

Neurologische Symptome können sich vorübergehend verschlechtern und dann über Wochen und Monate bessern. Der Grad der Erholung, der schließlich erzielt wird, hängt von Schwere und Dauer der Symp­tome vor der Therapie ab. Bei Patienten mit leichter Malabsorption suche man nach Eisenmangel sowie Anämie durch chronische Nierenleiden oder chronische Entzündungen. Entsprechende Befunde bestehen bei älteren Erwachsenen häufig gleichzeitig. Sie können das Ansprechen auf die Therapie verhindern und auch selbst weitere Behandlung erfordern. Ein Eisenmangel ist sehr häufig bei Personen, deren Vitamin-B12-Mangel auf ihren Ernährungsgewohnheiten beruht. SN


Quelle: Stabler, SP: Clinical practice. Vitamin B12 deficiency, Zeitschrift: NEW ENGLAND JOURNAL OF MEDICINE, Ausgabe 368 (2013), Seiten: 149-160

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