Saisonstart | Apotheken-Depesche 1/2016

Der Frühling kommt – der Heuschnupfen auch

Für Menschen mit einer Allergie gegen Pollen sind die kommenden Wochen oft die schwersten des Jahres. Denn auch wenn eine allergische Rhinitis nicht lebensbedrohlich ist, so kann sie dem Betroffenen doch stark zusetzen und die Lebensqualität auf vielfache Weise einschränken. Mit kompetenter Beratung können Sie den Betroffenen das Leben leichter machen.

Bei allergischer Rhinitis kommt es innerhalb von Sekunden bis Minuten zu den charakteristischen Beschwerden, wenn die betreffenden Polen bzw. andere relevante Allergene auf die Nasenschleimhaut gelangen: Schleimhautschwellung, Sekretproduktion und starker Juckreiz in Nase und Gaumen. Die Symptome können auch den Schlaf erheblich stören, was zu Müdigkeit am Tag, Konzentrationsschwäche und einem Abfall der Leistungsfähigkeit führen kann. Die Betroffenen trauen sich oft kaum noch vor die Tür, um nicht mit den Pollen in Kontakt zu kommen. 

Allergenkarenz meist nicht machbar

Die wirkungsvollste Behandlungsmethode bei Allergie ist immer die Allergenkarenz. Doch die ist bei einer Pollenallergie im Alltag unrealistisch. Eine Hyposensibilisierung ist die derzeit einzige kausale Therapie. Sie wird bei Pollenallergie sehr erfolgreich eingesetzt, doch erfordert sie Geduld, da die Behandlung mindestens drei Jahre dauert.
Aktuelle Optionen zur Behandlung einer Allergie sind daher rein symptomatisch bzw. präventiv.
Zur Prophylaxe können bei saisonaler allergischer Rhinitis oder Konjunktivitis Cromoglicinsäure (DNCG) und Nedocromil eingesetzt werden. Sie sind nur für die lokale Therapie geeignet, da sie nach oraler Gabe praktisch nicht resorbiert werden. Diese sogenannten Cromone sind sehr gut verträglich, allerdings weniger wirksam als orale oder topische Antihistaminika sowie topische Glukokortikoide. DNCG ist viermal täglich zu applizieren, Nedocromil zweimal am Tag. Im Beratungsgespräch sollte man den Kunden darauf hinweisen, dass die Wirkung nicht sofort, sondern meist erst nach ein bis zwei Tagen einsetzt. Die Behandlung sollte möglichst eine Woche vor erwartetem Beginn des Pollenflugs beginnen. Die moderneren H1-Antihistaminika gehören zu den Therapeutika der ersten Wahl bei Heuschnupfen, da sie sehr gut und schnell gegen die nasalen und nichtnasalen Symptome wirken und wenige Nebenwirkungen aufweisen.
 
Antihistaminika effektiv und gut verträglich
 
Die topischen H1-Antihistaminika wirken innerhalb von 15 Minuten und sind zweimal täglich anzuwenden. Azelastin und Levocabastin gelten hier als Standard. Bei leichten oder nur gelegentlichen Symptomen ist eine lokale Therapie meist ausreichend. Sollten die Beschwerden jedoch stärker sein, sollte man den Kunden empfehlen, ohne Zögern mit einer systemischen Therapie zu beginnen. Die neueren H1-Antihistaminika, wie Cetirizin und Loratadin, greifen nahezu selektiv an peripheren H1-Rezeptoren an. Sie rufen somit keine oder nur sehr geringe sedierende Effekte hervor. Patienten, die dennoch eine sedierende Wirkung verspüren, sollten das Antihistaminikum abends einnehmen. H1-Antihistaminika verdrängen Histamin kompetitiv von den H1-Rezeptoren und verhindern so die über den Rezeptor vermittelte Wirkung des Histamins auf verschiedene Entzündungszellen. Topisch applizierte Glukokorticoide gelten als die wirksamste Therapie der allergischen Rhinitis, da sie die nasalen Symptome stärker reduzieren als orale H1-Antihistaminika. Allerdings sind topische Glukokorticoide den oralen H1-Antihistaminika bei der Besserung der allergischen Augensymptome unterlegen. Die Anwendung führt zu einer Senkung verschiedener Entzündungsmediatoren in der Nasenschleimhaut. Nachteilig ist die relativ lange Zeit, bis die Wirkung voll zum Tragen kommt. Erst nach einigen Tagen Anwendung ist der maximale Effekt erreicht. Für die Selbstmedikation steht Beclometason als Nasenspray für Erwachsene und Kinder ab dem vollendeten zwölften Lebensjahr zur Verfügung. Zweimal täglich werden zwei Einzeldosen in jedes Nasenloch gesprüht. Sobald die Krankheitszeichen sich gebessert haben, kann die Dosierung gesenkt werden.
Beta-Sympathomimetika wirken symptomlindernd, indem sie die Gefäße beispielsweise in Nasenschleimhaut und Bindehaut abschwellen. Sie können ergänzend zu einer antiallergischen Therapie kurzzeitig angewandt werden.

Beratungswissen

Praktische Tipps bei Pollenallergie

  • Im Internet über aktuellen Pollenflug informieren, z. B. www.pollenflug.de.
  • Unter umständen Pollenfilter in die Lüftungsanlage des Autos einbauen lassen.
  • Nach Aufenthalt im Freien Kleidung wechseln und Brillengläser reinigen, vor dem Schlafen Haare waschen, um eingeschleppte Pollen zu eliminieren.
  • Tagsüber getragene Kleidung nachts nicht im Schlafzimmer ablegen.

ICD-Codes: J30.1

Das könnte Sie auch interessieren

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.