Beratung für die Reiseapotheke | Apotheken-Depesche 2/2019

Alles dabei für einen gesunden Urlaub

Die Deutschen reisen gerne: Im letzten Jahr haben laut Statista ganze 78 % eine Urlaubsreise unternommen! Beliebtestes Urlaubsland in Europa war Spanien. Ostasien und Afrika waren die am meisten besuchten Fernreiseziele. Beraten Sie Ihre Kunden besonders in den Sommermonaten zu den benötigten Medikamenten und Produkten, die unbedingt in eine Reiseapotheke gehören. Damit Ihre Kunden für die schönste Zeit des Jahres im Falle von Infektionen und Verletzungen bestens gerüstet sind.
Die Basics und mehr
Alles, was in der Hausapotheke ist, gehört auch in die Reiseapotheke. Allerdings: In die Reiseapotheke müssen auch Medikamente gegen typische Reisebeschwerden wie Übelkeit und Durchfall. Und natürlich dürfen Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden müssen, nicht vergessen werden.
Die Zusammenstellung der Reiseapotheke hängt natürlich auch vom Reiseziel und der Art der Reise ab. Für eine Fernreise werden andere Arzneien und Pflegemittel benötigt als für einen Trip ins nahe gelegene europäische Ausland. Und ein Strandurlaub unterscheidet sich von einem Trekking- oder Tauchurlaub ebenso wie von einer Städtereise.
Neben Arzneimitteln müssen auch Verbandsmaterialien und Sonnenschutzmittel mitgenommen werden. Je nach Destination auch Insektenschutzmittel, Moskitonetz und vom Arzt verschriebene Breitbandantibiotika und Malaria-Mittel. Besonders bei Fernreisen sollten Sie Ihre Kunden also zur Zusammenstellung der Reiseapotheke ggf. zusätzlich an den Hausarzt oder Reisemediziner verweisen.
 
Arzneimittel
  • Schmerz- und Fiebermittel (z. B. Paracetamol, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure u. a.)
  • Arzneien gegen Durchfall (z. B. Kaffeekohle, Medizinalhefe, Heilerde, Tanninalbuminat, Loperamidhydrochlorid u. a.)
  • Erkältungsmedikamente (gegen Halsschmerzen, Husten etc.)
  • abschwellendes Nasenspray (für Druckausgleich bei Flugreisen, Befeuchtung)
  • Ohrentropfen (besonders für Kinder und bei Urlaub am Meer / Wasser / Tauchurlauben)
  • Augentropfen / Augen- und Nasensalbe zur Befeuchtung
  • Medikamente gegen Reiseübelkeit
  • Medikamente für Magen und Darm (Sodbrennen, Obstipation, Unverträglichkeiten: z. B. Lactulose, Natriumpicosulfat, Hydrotalcit u. a.)
  • Salbe / Pflaster / Tabletten gegen Lippenherpes (Melisse, Aciclovir, Penciclovir, L-Lysin u. a.)
Pflege und Schutz
  • Wund- und Heilsalbe
  • Sonnenschutz (auf benötigten Lichtschutzfaktor und individuelle Hautbeschaffenheit achten)
  • Hautpflege nach dem Sonnenbad
  • Ohrstöpsel
  • Insektenschutzmittel
Verbandsmaterialien und Weiteres
  • Pflaster (Heftpflaster, Blasenpflaster, Wundverband)
  • evtl. Schere, Einmalhandschuhe
  • Pinzette
  • Hautdesinfektionsmittel
  • Trinkwasserdesinfektionsmittel
Naturheilkundliche Reiseapotheke
Viele pflanzliche Mittel und auch Homöopathika können die Reiseapotheke sinnvoll ergänzen. Die Nachfrage nach natürlichen Optionen steigt, und gerade Familien mit Kindern interessieren sich zunehmend für pflanzliche Alternativen. Bei den gängigen Beschwerden, die während einer Reise auftreten können, sind bestimmte pflanzliche Arzneien besonders passend. Hierzu zählen Indikationen bezüglich des Magen- Darm-Traktes, psychisch-emotionale Symptome wie Aufregung und Schlaflosigkeit, Verletzungen sowie Sonnenbrand und Insektenstiche.
Individuelle Vorerkrankungen und Anwendungseinschränkungen müssen auch bei der Zusammenstellung der naturheilkundlichen Reiseapotheke unbedingt bedacht werden.
Und bei andauernden und starken Beschwerden ist selbstverständlich auch im Urlaub ein Arztbesuch unumgänglich.
 
Haut und leichte Verletzungen
Sonnenbrand, kleine Wunden und Hautentzündungen sind das Einsatzgebiet der Ringelblume, eingesetzt werden Zubereitungen aus den Blüten (Calendulae flos). In Zubereitungen der anthroposophischen Medizin finden bspw. auch die Kleine Brennnessel (Urtica urens) und der Beinwell (Symphytum officinale) Verwendung. Bei leichtem Sonnenbrand ist ein Gel aus Aloe vera angenehm kühlend. Bei Distorsionen, Zerrungen, Prellungen, Muskelschmerzen und Hämatomen wirken Cremes mit Arnika (Arnica montana) lokal angewendet antiphlogistisch und resorptionsfördernd.
 
Magen und Darm
Ein Multitalent ist das Pfefferminzöl. Oral eingenommen kann es nicht nur gegen Verdauungsbeschwerden, sondern auch gegen Katarrhe der oberen Luftwege und Mundschleimhautentzündungen eingesetzt werden, äußerlich bzw. transdermal zur Inhalation und Mundspülung bei Husten und Erkältungen, zur Linderung von Juckreiz bei intakter Haut, bei Spannungskopfschmerzen und lokalen Muskelschmerzen. Pfefferminze ( Mentha piperita), Kümmel (Carum carvi), Kamille (Matricaria chamomilla)–die Klassiker für Magen und Darm dürfen auch in der Reiseapotheke nicht fehlen. Die krampflösenden und verdauungsfördernden Wirkungen dieser Phytotherapeutika sind für die Reiseapotheke in Kombinationspräparaten als Tropfen oder Kapseln geeignet. Gegen Verdauungsstörungen nach ungewohnten Speisen kann Okoubaka eingesetzt werden. Die aus der Rinde des westafrikanisches Baumes Okoubaka aubrevillei hergestellten Arzneien gibt es als Phytotherapeutika und in homöopathischen Aufbereitungen. Okoubaka wird in der Erfahrungsmedizin entgiftende und ausleitende Wirkungen zugeschrieben. Okoubaka wirkt auf den Magen-Darm-Trakt, auf Leber, Pankreas und Galle.
 
Psyche und Emotionen
Die Einnahme von Baldrianwurzel (Valerianae radix) lindert Tagsüber leichte nervöse Anspannung, eine Einnahme am Abend fördert die Schlafbereitschaft und verkürzt die Einschlafzeit. Ein Wirkeintritt ist allerdings erst nach ein paar Tagen zu erwarten. Empfohlen wird eine Dosierung von 600 mg Trockenextrakt pro Tag. Baldrianwurzelextrakte finden sich in vielen Kombinationspräparaten, z. B. auch mit Passionsblumenkraut (Passiflora herba), welches bei nervöser Unruhe und Angstzuständen eingesetzt wird. Bei Dosierungen über 400 mg in Tabletten- oder Tropfenform kann es zur akuten Linderung von leichter Flugangst eingesetzt werden, da ein schneller Wirkeintritt erwartet werden kann.
Lavendel (Lavandula angustifolia) wirkt beruhigend bei innerer Unruhe und leichten Schlafstörungen. Es kann als ätherisches Öl verwendet oder in Form von Teeaufgüssen oder Kapseln eingenommen werden. Wer weiß, dass er auf eine bestehende Reise mit Unruhe reagiert, sollte schon einige Wochen vor der Abreise mit der Einnahme beginnen. EG

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