Apotheken-Depesche 5/2017

Risikofaktoren

So wirken sich Armut und eine elterliche ADHS aus

In etlichen Studien wurde in „benachteiligten“ Bevölkerungsgruppen eine höhere ADHS-Prävalenz berichtet – und auch ADHS-erkrankte Eltern erhöhen das Risiko der Kinder, an einer ADHS zu erkranken. Ein US-Team erforschte nun, inwieweit eine ADHS-Diagnose der Eltern den Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und ADHS-Risiko der Kinder beeinflusst.

In ein gründliches Screening wurden alle sechs- bis 14-jährigen Schüler eines Bezirks in North Carolina (USA) einbezogen. Die (gewichtete) ADHS-Prävalenz betrug 14,7%. Es fanden sich 967 Kinder mit Informationen über eine ADHS der Eltern. Der sozioökonomische Status (SES) wurde anhand des Familieneinkommens und des Bildungsstatus erfasst. Unadjustiert hatten Kinder, deren Eltern keinen High-School-Abschluss aufwiesen, ein sechsfach erhöhtes ADHS-Risiko (Odds Ratio, OR: 6,0). Bei Kindern aus Familien mit einem Einkommen < US$ 20 000 war das Risiko vervierfacht (OR: 4,0) Ebenfalls nicht adjustiert erhöhte eine elterliche ADHS-Diagnose das Erkrankungsrisiko der Kinder signifikant um mehr als das Vierfache (OR: 4,3).
Im Weiteren fand sich eine signifikante Interaktion zwischen dem SES und einer elterlichen ADHS-Diagnose (p = 0,016). Der SES-Gradient war bei Kindern aus Familien ohne elterliche ADHS-Diagnose mit 7,5 größer, der SES-Einfluss stärker: Bei ihnen war die ADHS-Wahrscheinlichkeit (Odds Ratio) bei mittlerem und niedrigem Familieneinkommen (vs. bei Kindern ohne elterliche ADHS-Diagnose und hohem Einkommen als Referenz [OR: 1]) 2,3-fach bzw. 6,2-fach erhöht.
Bei Kindern aus Familien mit elterlicher ADHS war der SES-Gradient mit 2,6 niedriger, mithin der SES-Einfluss schwächer: Hier war die ADHS-Wahrscheinlichkeit (OR) der Kinder aus Familien mit hohem bzw. mittlerem Einkommen schon um den Faktor 10,2 bzw. 12,0 erhöht. Dies gipfelte bei den Kindern aus ADHS-belasteten Familien mit niedrigem Einkommen in einer um mehr als das Sechszehnfache erhöhten Erkrankungswahrscheinlichkeit (OR: 16,7). JL

Kommentar

Niedriger sozioökonomischer Status (also Armut/niedriger Bildungsstand) und elterliche ADHS-Belastung sind nicht nur einzeln starke Risikofaktoren für eine ADHS des Nachwuchses, sie interagieren auch durchaus miteinander. Die Befunde eröffnen immerhin die Möglichkeit, gefährdete Kinder frühzeitig zu identifizieren. Warum die Psychopathologie unter den Armen stärker ist, zitieren die Autoren, stellt immer noch „eine der wichtigsten Fragen“ der psychiatrischen Epidemiologie dar.


Quelle:

Rowland AS et al.: Attention-deficit/hyperactivity disorder (ADHD): Interaction between socioeconomic status and parental history of ADHD determines prevalence. J Child Psychol Psychiatry 2017 [Epub 12. Aug.; doi: 10.1111/jcpp.12775]



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