Apotheken-Depesche 5/2012

Nagelmykosen

Mit Nagellack die Therapie vereinfachen

In Deutschland sind etwa zehn Millionen Menschen von Nagelpilz betroffen. Unbehandelt kann die Infektion zu einer Zerstörung der Nagelplatte führen. Aufgrund des langsamen Wachstums der Nägel ist die Therapie allerdings langwierig. Im Beratungsgespräch können Sie betroffenen Patienten einen antimykotischen Nagellack (z. B. Amorolfin-ratiopharm®) empfehlen. Die nur einmal wöchentliche Anwendung kann die Compliance der Patienten wesentlich erleichtern. 

Apotheker: Guten Tag Frau Maier, was kann ich für Sie tun?

Kundin (etwa 70 Jahre):Hier, das Rezept für

meine Zuckertabletten ... und dann wollte ich Sie noch was fragen: Der Nagel meines großen Zeh hat seit einiger Zeit so grau-braune Flecken. Die gehen nicht mehr weg und der Nagel selbst wird immer dicker. Mein Hausarzt meint, das sei ein Nagelpilz. Aber ich war in keinem Schwimmbad ... (1)

Apotheker: Hautpilze (1) kommen praktisch überall vor, nicht nur im Schwimmbad. Und diese Hautpilze können auch eine Infektion des Nagels auslösen. Bei Älteren und bei Menschen, die wie Sie unter Diabetes leiden, kommt dies besonders häufig vor. (1)

Kundin:Und was soll ich jetzt tun?

Apotheker: Der Pilz muss unbedingt behandelt werden, denn ohne Therapie kann sich der Pilz weiter ausbreiten und ihren Nagel vollständig zerstören. Er kann sich auch auf andere Fußnägel sowie die Fingernägel ausbreiten. Außerdem stellt der Nagelpilz eine ständige Infektionsquelle für andere dar. Allerdings ist die Therapie etwas langwierig ...

Kundin: Was heißt langwierig?

Apotheker: Die Behandlung ist abgeschlossen, wenn ein vollständig gesunder Nagel nachgewachsen ist. Und weil die Zehennägel so langsam wachsen, dauert die Therapie etwa ein Jahr.

Kundin: Oh je, ob ich das durchhalte ...

Apotheker: Ja, das Problem haben viele. Deshalb wurde vor einiger Zeit ein Nagellack entwickelt, der ein wirksames Antipilzmittel enthält. Damit ist die Therapie ganz einfach – Sie müssen den Lack nur einmal pro Woche auftragen.

Kundin: Nagellack gegen Pilz?

Apotheker: Ja, der im Nagellack verarbeitete Wirkstoff tritt nach dem Auftragen aus dem Lack in den Nagel über, verteilt sich dort in der Nagelplatte und tötet die Pilze ab. (2)

Kundin:Das klingt gut! Nur: ich nehme ja schon so viele verschiedene Medikamente ein, verträgt sich das denn miteinander?

Apotheker: Kein Problem. Der Wirkstoff wird vom Körper nicht in die Blutbahn aufgenommen und verteilt. Er bleibt nur in der Nagelplatte. Deshalb kann der Lack problemlos mit anderen Arzneimitteln kombiniert werden.

Kundin: Und wie wende ich den Lack an?

Apotheker: Zunächst bereiten Sie den infizierten Nagel vor: Dazu feilen Sie die infizierten Anteile des Nagels einschließlich der Nageloberfläche vor der ersten Anwendung so gut wie möglich mit den mitgelieferten Nagelfeilen ab. Danach reinigen Sie den Nagel mit einem der ebenfalls in der Pa-ckung vorhandenen Akoholtupfer. Dazu können Sie auch Nagellackentferner benutzen. Dann tragen Sie den Lack mit dem Spatel gleichmäßig auf den Nagel auf. Den Lack dabei nicht am Ende des Flaschenhalses abstreifen. In etwa drei Minuten ist der Nagellack trocken. Den Spatel anschließend sorgfältig reinigen (am besten mit dem Alkoholtupfer, den Sie zur Nagelreinigung verwendet haben).

Kundin:Das klingt machbar.

Apotheker:Noch ein Hinweis: Nagelfeilen, die Sie für Ihre infizierten Nägel verwendet haben, bitte keinesfalls anschließend für gesunde Nägel benutzen, sonst kann sich der Pilz ausbreiten.

Kundin:Der Sommer steht vor der Tür, und da trage ich ganz gerne offene Schuhe. Der braun-gefleckte Nagel sieht aber nicht so gut aus ...

Apotheker:Kein Problem: Den Anti-Pilznagellack können Sie jederzeit mit einem farbigen Lack überlackieren. Vor der nächsten Anwendung des Antipilzlackes müssen Sie ihn allerdings wieder entfernen.

Kundin:Ok, mache ich!

Apotheker:Damit Sie das Pilzproblem nicht auch an anderen Nägeln bekommen, sollte Sie Ihre Füße immer gut abtrocknen, regelmäßig eincremen und am besten von einem Fußpfleger regelmäßig kontrollieren lassen. (3)

Kundin: Alles klar, vielen Dank für die Beratung! MW

CHECKLISTE

(1) Onychomykosen

  • ❚  Symptome: Glanzlosigkeit des Nagels; weiße oder gelbliche Verfärbungen am Nagelrand; weißliche, gelbe oder grau-braune Flecken im Nagel; Verdi- ckungen der Nagelplatte. Im späteren Stadium wird der Nagel bröckelig und hebt sich vom Nagelbett ab

  • ❚  Erreger: Dermatophyten, Hefen und Schimmelpilze

  • ❚  Ein erhöhtes Risiko für Nagelpilz haben z. B.:
    - Sportler (Turnschuhe, häufige Mikro- verletzungen der Füße)
    - Reisende (Teppiche, Nassbereiche von Gemeinschaftseinrichtungen)
    - Ältere
    - Menschen mit Gefäß- und Durchblu- tungsstörungen (z. B. Diabetiker, Rau- cher)
    - Menschen, die immer geschlossene Schuhe tragen (z. B. Bauarbeiter, Mit- arbeiter in Produktionsfirmen)

    (2) Therapie mit Amorolfin-Nagellack

  • ❚  Amorolfin wirkt fungistatisch und fungizid; es greift in die Ergosterol- Synthese der Pilze ein. Amorolfin ist hochwirksam gegen Hefen, Dermato- phyten und Schimmelpilze

  • ❚  Die Selbstmedikation ist beschränkt auf leichte Fälle distaler, lateraler Na- gelmykosen, die nicht mehr als zwei Nägel betrifft

    (3) Prävention

  • ❚  Regelmäßige Fußpflege und Kontrolle der Füße

  • ❚  Regelmäßiges Eincremen der Füße und Vermeiden von Rissen

  • ❚  Sorgfältiges Abtrocknen der Zehen- zwischenräume

  • ❚  Tragen von atmungsaktivem Schuh- werk und Strümpfen 




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