Apotheken-Depesche 4/2009

Prospektive Studie

Lebenserwartung bei Parkinson-Demenz

Parkinson-Patienten sind stark gefährdet, zusätzlich eine Demenz zu entwickeln. Dementielle Erkrankungen wirken sich nicht nur negativ auf das Leben der Betroffenen und die Pflegesituation aus, sondern führen auch zu einer relevanten Erhöhung der Mortalität. Bislang lagen zu diesen Zusammenhängen jedoch kaum Longitudinalstudien und konkrete Zahlen vor.

Bisherige Daten sprechen bei Parkinson-Patienten von einer Punktprävalenz einer Demenz von 30%. Demnach ist das relative Risiko für eine Demenzerkrankung gegenüber der Normalbevölkerung um das 1,7- bis 5,9-fache erhöht.

In Norwegen wurde nun eine prospektive Längsschnittstudie über zwölf Jahre ausgewertet, in der 233 Parkinson-Patienten in den Jahren vier, acht, neun, zehn, elf und zwölf nach der Eingangsuntersuchung mit diagnostischen Interviews, kognitiven Beurteilungsskalen und neuropsychologischen Tests auf eine demenzielle Entwicklung geprüft wurden.

Bei Studienbeginn waren die Probanden im Schnitt 75 Jahre alt und seit neun Jahren an einem Morbus Parkinson erkrankt.

Initial wurde bei 27% der Teilnehmer eine Demenz festgestellt. Bereits bei der ersten Folgeuntersuchung nach vier Jahren war dieser Anteil auf 45% gestiegen. Nach insgesamt zehn und zwölf Jahren hatten 58% bzw. 60% eine Demenz entwickelt. Die Inzidenzrate betrug 82 pro 1000 Personenjahre (Vergleichswert der Normalbevölkerung 10 bis 45 pro 1000 Personenjahre). Das Demenzrisiko wurde maßgeblich durch die Dauer der Parkinson-Erkrankung bestimmt.

Diesen Studiendaten zufolge hatte ein 70-jähriger Parkinson-Kranker ohne Demenz eine Lebenserwartung von 8,0 Jahren (davon 5,0 ohne eine Demenz). Eine gleich alte Parkinson-Patientin konnte noch auf 11,0 weitere Jahre blicken (davon 7,2 ohne Demenz.) Lag bei den 70-Jährigen aber bereits eine Demenz vor, sank die verbleibende Lebenserwartung auf 4,2 Jahre beim Mann und auf 5,7 Jahre bei der Frau.

Dass nach zwölf Jahren kumulativ 60% der beobachteten Parkinson-Kranken eine Demenz entwickeln, belegt die umfassenden degenerativen Veränderungen der immer noch oft als „motorische Störung“ verkannten Erkrankung.

In der Literatur werden zuweilen niedrigere Zahlen angegeben, aber diese Untersuchungen wiesen kleinere Fallzahlen und kürzere Beobachtungszeiten auf. Zudem dürften sogar im ersten langen Untersuchungsintervall von vier Jahren dieser Studie einige Demenzfälle bei zwischenzeitlich Verstorbenen nicht erfasst worden sein, so dass die Autoren ihre Daten sogar als eher konservativ einschätzen. rf


Quelle: Buter, TC: Dementia and survival in Parkinson disease: a 12-year population study., Zeitschrift: NEUROLOGY, Ausgabe 70 (2008), Seiten: 1017-1022


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