Apotheken-Depesche 9/2000

Temperaturmessung im Vergleich: rektal oder im Gehörgang?

Fieber messen im Ohr ist - meistens - genau genug

Temperaturmessung im Ohr mittels Infrarot-Detektion (IRED) hat Pluspunkte: einfacher zu handhaben als die rektale Messung, blitzschnell, kein Schleimhautkontakt mit dem Thermometer. Den praktischen Vorteilen stehen widersprüchliche Studienergebnisse über die Zuverlässigkeit der Methode gegenüber.

In einer belgischen Studie nahm man vergleichende Temperaturmessungen an 45 stationären Patienten vor, im Schnitt 78 Jahre alt. Die rektale Temperatur wurde mit dem Quecksilber-Glasthermometer bestimmt. Bei der Infrarot-Methode wurde an beiden Ohren gemessen; zur Auswertung zog man den höchsten von sechs Werten heran. Die rektal gemessene Temperatur lag signifikant um 0,5 °C höher als die der Ohr-Messung (37,4 vs. 36,9 °C). Bei drei der 45 Patienten betrug die Temperaturdifferenz zwischen der rektalen und der Ohrmessung mehr als ein Grad. Bei einem klar febrilen, dehydrierten Mann ergab sich sogar ein Unterschied von 1,6 Grad. Als Fieber definierten die Autoren eine Rektaltemperatur ab 37,6 °C. Legt man die für die Infrarot-Messung ideale Fieberschwelle von 37,2 °C zugrunde, errechneten sie für die Methode eine Sensitivität von 86% und eine Spezifität von 89% zur Erkennung von rektal gemessenem Fieber. Die errechneten Sensitivitäten und Spezifitäten der Infrarot-Temperaturmessung im Ohr sind zur Erkennung von Fieber akzeptabel. Allerdings entsprach das Vorgehen in der Studie nicht der Alltagsroutine; auch wurden keine hypothermen oder hochfieberhaften Patienten in die Untersuchung einbezogen. (Ko)


Quelle: Smitz, S: Comparison of rectal and infrared ear temperaturs in older hospital inpatients, Zeitschrift: JOURNAL OF THE AMERICAN GERIATRICS SOCIETY, Ausgabe 48 (2000), Seiten: 63-66


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