Apotheken-Depesche 3/2010

Selbstmedikation oder Arztbesuch?

Beratung bei Furunkel und Grützbeutel

Nicht selten bitten Patienten mit kleinen Beulen oder eitrigen Knoten auf der Haut in der Apotheke um Rat. Bei Furunkel gilt es zu entscheiden, ob eine Selbstbehandlung möglich ist oder ob der Patient an den Arzt verwiesen werden muss. Atherome brauchen jedoch oft gar keine Therapie.

Furunkel sind akute eitrige Entzündungen im unteren Bereich des Haarfollikels. Sie treten vor allem an den Oberschenkeln und am Gesäß, im Gesicht, im äußeren Gehörgang, an Nacken, Schultern und unter den Achseln auf. Männer sind häufiger davon betroffen als Frauen, bei Kindern sind Furunkel sehr selten. Meist wird die Infektion durch den Keim Staphylococcus aureus ausgelöst, der in den Follikelkanal eindringt. Es entwickelt sich ein geröteter, bei Druck sehr schmerzhafter Knoten. Der Durchmesser liegt meist zwischen einem halben bis zwei Zentimetern. Nach einiger Zeit entleert sich das Furunkel spontan, Eiter und zentraler Pfropf treten nach außen.

Furunkulose und gestörte Immunabwehr

Bei einem multiplen oder rezidivierenden Auftreten von Furunkeln spricht man von Furunkulose. Nicht selten leiden die Betroffenen über Jahre hinweg an immer wieder neuen Entzündungen. Ursache können bestehende Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, konsumierende Erkrankungen, eine geschwächte Immunabwehr sowie mangelnde Hygiene sein. Bei starkem Befall am Kopf oder bei häufigen Rezidiven sollte der Arzt aufgesucht werden. Empfehlenswert könnte hier unter Umständen eine präventive systemische Antibiotika-Gabe sein oder eine bakteriologische Untersuchung. Bei Vorliegen eines Diabetes mellitus sollte die Blutzuckereinstellung geprüft werden.

Die schwerste Form des Furunkels bezeichnet man als Karbunkel. Dabei handelt es sich um mehrere eng nebeneinander liegende Furunkel. Karbunkel treten häufig am Nacken auf. Zu den lokalen Entzündungssymptomen kommen in der Regel Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit, Fieber und Vergrößerung der Lymphknoten. In schweren Fällen kann es zu einer Entzündung der Lymphgefäße oder zur Sepsis kommen.

Furunkel nicht ausdrücken!

Wichtig ist, den betreffenden Körperteil so weit wie möglich ruhig zu stellen und das Furunkel vor Stoß zu schützen. Man kann die Entzündung lokal antiseptisch oder antibiotisch behandeln. Dazu eignen sich beispielsweise Zubereitungen mit Chlorhexidin, Fusidinsäure oder Thyrothricin. Keinesfalls sollte das Furunkel ausgedrückt oder anders manipuliert werden, da die Gefahr besteht, dass die Keime sich im Körper ausbreiten! Besonders riskant ist es, Furunkel im Gesichtsbereich auszudrücken. Eine Verschleppung der Erreger kann unter anderem zu einer Hirnhautentzündung führen.

Zugsalben beschleunigen die Reifung

Wärmebehandlung, zum Beispiel mit Rotlicht, beschleunigt den Einschmelzungsprozess. Auch Zugsalbe fördert die "Reifung". Als Zugsalbe kommen Präparate mit Ammoniumbituminosulfonat oder mit Lärchenterpentin und gereinigtem Terpentinöl in Betracht. Bituminosulfonate sind Vielstoffgemische mit bis zu 10.000 verschiedenen Substanzen. Sie sind vor allem reich an organisch gebundenem Schwefel, der für die Wirkung verantwortlich gemacht wird. Bituminosulfonate wirken u.a. antiinflammatorisch, antimikrobiell und durchblutungsfördernd. Nach dem Aufbrechen und Entleeren des Eiterpfropfes sollte die Hautstelle desinfiziert oder mit einem lokalen Antibiotikum behandelt werden.

Bei ausgedehntem Befall kann eine orale antibiotische Behandlung durch den Arzt notwendig sein. Zum Einsatz kommen penicillinasefeste Antibiotika wie Cefalexin, Dicloxacillin, Sultamicillin oder Amoxicillin/ Clavulansäure. Insbesondere bei schweren Gesichtsfurunkeln erhalten Patienten in der Regel Antibiotika intravenös. Die Behandlung findet dann meist stationär statt.

Echte und falsche Atherome

Der so genannte Grützbeutel oder Grießknoten ist eine kugelförmige elastische Zyste in der Epidermis. Medizinisch wird diese gutartige Vergrößerung als Atherom bezeichnet. Grützbeutel treten einzeln oder zu mehreren auf und sind mit teigigem Material gefüllt, insbesondere Talg oder auch Hornlamellen und Haare. Atherome findet man typischerweise vor allem auf der Kopfhaut und am Hodensack. Das so genannte falsche Atherom entsteht durch eine Verlegung des Ausführungsganges einer Talgdrüse mit Talg.

Anders als beim echten Atherom ist eine zentrale Pore erkennbar. Falsche Atherome treten häufig am Gesicht, Körperstamm und Hoden auf. Meist sind es kosmetische Gründe, weswegen ein Grützbeutel operativ entfernt wird. Ansonsten ist eine Behandlung nur erforderlich, wenn sich das Atherom entzündet. Je nach Größe der Zyste und Ausmaß der Infektion kann dann eine lokale oder systemische Antibiotikatherapie oder die chirurgische Eröffnung indiziert sein. AIS

?! Furunkel: Wann ist eine ärztliche Behandlung angezeigt? Wenn ein Furunkel mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl einhergeht, sollte der Patient an den Arzt verwiesen werden. Dies gilt insbesondere, bei gleichzeitigem Vorliegen mehrerer Furunkel. Treten bei einem Patienten in kurzen Zeitabständen immer wieder Furunkel auf, sollte ärztlich abgeklärt werden, ob eine Ursache für die erhöhte Infektanfälligkeit feststellbar und ggf. behandelbar ist. Bei Furunkeln im Gesicht ist immer Vorsicht geboten. Hier sollte man nicht zögern, umgehend einen Arzt aufzusuchen, wenn das Furunkel groß ist und stark schmerzt.


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