Psychologie/Neurologie

Begleitsymptome der Migräne
Individuelle und ökonomische Belastungen durch Übelkeit und Erbrechen

Neben Photo- und Phonophobie sind Übelkeit und Erbrechen sehr häufige Begleitsymptome von Migräne-Attacken. Wie stark sind die Belastungen der Patienten wirklich? Die individuellen und auch die ökonomischen Folgen wurden jetzt in den USA an einer großen Zahl von Migräne-Patienten untersucht.

Quelle: Gajria K et al.: Humanistic and economic burden of nausea and vomiting among migraine sufferers. J Pain Res 2017; 10: 689-98

Risikofaktoren
So wirken sich Armut und eine elterliche ADHS aus

In etlichen Studien wurde in „benachteiligten“ Bevölkerungsgruppen eine höhere ADHS-Prävalenz berichtet – und auch ADHS-erkrankte Eltern erhöhen das Risiko der Kinder, an einer ADHS zu erkranken. Ein US-Team erforschte nun, inwieweit eine ADHS-Diagnose der Eltern den Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und ADHS-Risiko der Kinder beeinflusst.

Quelle: Rowland AS et al.: Attention-deficit/hyperactivity disorder (ADHD): Interaction between socioeconomic status and parental history of ADHD determines prevalence. J Child Psychol Psychiatry 2017 [Epub 12. Aug.; doi: 10.1111/jcpp.12775]

Bewährtes Antihistaminikum
Doxylaminsuccinat lässt Patienten gut schlafen

Eine aktuelle Anwendungsbeobachtung zeigt, dass die Einnahme von Doxylaminsuccinat bei Menschen mit primären, nicht chronischen Schlafstörungen die subjektive Schlafqualität verbessern kann und dabei gut verträglich ist.

Quelle: Fachpressegespräch: „Hoggar® Night-Presse-Lunch“; 26.6.2017, Frankfurt; Veranstalter Stada GmbH, Bad Vilbel Doxylaminsuccinat: *z.B. Hoggar® Night

Netzwerk-Metaanalyse zu Antiepileptika in der Schwangerschaft
CAVE: Fehlbildungsrisiko teils stark erhöht

Bei Schwangeren kann die Antiepileptika-Therapie das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen und Fehlgeburten erhöhen. Bei geschätzten 4% bis 8% der in utero exponierten Kinder kommt es zu angeborenen Fehlbildungen. Eine multidisziplinäre Forschergruppe in Toronto und Ottawa untersuchte anhand einer Übersichtsarbeit und einer vergleichenden Netzwerk-Metaanalyse nun die Sicherheit verschiedener Antiepileptika im Hinblick auf Fehlbildungen der Neugeborenen und Spontanaborte.

Quelle: Veroniki AA et al.: Comparative safety of anti-epileptic drugs during pregnancy: a systematic review and network meta-analysis of congenital malformations and prenatal outcomes, BMC Med 2017; 15(1): 95 [Epub 5, Mai; doi: 10,1186/s12916-017-0845-1]

Parkinson-Frühstadium
Aß42 prädiziert Gangverschlechterung

Eine Neurologen-Gruppe untersuchte prospektiv, ob verschiedene Liquor-Proteine von Parkinson-Patienten im frühen Krankheitsstadium Einfluss auf das Fortschreiten L-Dopa- resistenter Gangstörungen haben. Sie fanden einen Zusammenhang zwischen der Progression und den ß-Amyloid-Konzentrationen.

Quelle: Rochester L et al.: Decrease in Aß42 predicts dopa- resistant gait progression in early Parkinson disease. Neurology 2017; 88(16): 1501-11

Alzheimer und Parkinson
Nicht durch Blut übertragbar

Ähnlich wie bei einigen hoch ansteckenden Erkrankungen kommt es bei Alzheimer und M. Parkinson zur Bildung falsch gefalteter Proteine. In diesem Fall können Rezipienten von Bluttransfusionen aber aufatmen, denn Alzheimer und Parkinson sind aktuellen Daten zufolge mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht durch Blut übertragbar.

Quelle: Lyon J: Study suggests alzheimer and parkinson disease are not ... JAMA 2017; 317(2): 123-4

Neue Leitlinie zur chronischen Insomnie
Kognitive Verhaltenstherapie zuerst

Eine chronische Insomnie liegt vor, wenn der betroffene Patient über mindestens drei Monate an drei oder mehr Nächten pro Woche Schwierigkeiten mit dem Einschlafen oder dem ununterbrochenen Schlafen hat und sich dadurch belastet fühlt. Welche pharmakologische und nicht-pharmakologische Therapiestrategie am besten funktioniert, ist umstritten. Das American College of Physicians (ACP) hat die Evidenz der verschiedenen Optionen geprüft und eine eindeutige Empfehlung für die kognitive Verhaltenstherapie ausgesprochen. Medikamentöse Optionen stehen an zweiter Stelle.

Quelle: Medalie L, Cifu AS: Management of chronic insomnia disorder in adults. JAMA 2017; 317(7): 762-3

Autonome Neuropathie
Indikatorpflaster zur Früherkennung

Das diabetische Fußsyndrom gehört zu den häufigsten und schwersten Komplikationen eines Diabetes. Ein Indikatorpflaster, das die Funktion der Schweißsekretion untersucht, ermöglicht eine schnelle und objektive Beurteilung des Risikos einer diabetischen Neuropathie. Der einfache Test kann vom Patienten selbstständig durchgeführt werden.

Quelle: Fachpressekonferenz: „Diabetes-Management aus Deutschland“, Frankfurt, 15. Februar 2017; Veranstalter Sanofi Indikatorpflaster: neuropad®

Kinder und Jugendliche
Längere Bildschirmzeit – mehr Depressionen

Eine chinesische Metaanalyse beschäftigte sich mit der Frage, ob sich bei Jugendlichen und Kindern die vor dem Bildschirm verbrachte Zeit auf das Depressionsrisiko auswirkt.

Quelle: Mingli L et al.: Dose-response association of screen time-based ... Br J Sports Med 2016; 50: 1252-58

Antiepileptika-Therapie
Das sind die wesentlichen Prädiktoren für die Nicht-Adhärenz

Antiepileptika werden von vielen Patienten nicht zuverlässig eingenommen oder wieder abgesetzt. Wie groß das Problem ist und welche Merkmale die Betroffenen kennzeichnen, zeigt jetzt ein Forscherteam in einer Querschnittsstudie auf.

Quelle: Getnet A et al.: Antiepileptic drug nonadherence and its predictors among people with epilepsy. Behav Neurol 2016; 3189108 [Epub 8. Dez.; doi: 10.1155/201 6/3189108]

Demenz, Parkinson, Multiple Sklerose (MS)
Inzidenz durch Straßenverkehr erhöht?

Es mehren sich Hinweise, dass sich das Wohnen an vielbefahrenen Straßen negativ auf die Kognition auswirkt. Nun wurde in einer kanadischen bevölkerungsbasierten Kohortenstudie nach einer Relation zur Inzidenz von Demenz-Erkrankungen, Morbus Parkinson und MS gesucht. Im Fall der Demenz wurden die Forscher tatsächlich fündig.

Quelle: Chen H et al.: Living near major roads and the incidence of dementia, Parkinson‘s disease, and multiple sclerosis: a population-based cohort study. Lancet 2017; pii: S0140-6736(16)32399-6 [Epub 4. Jan.; doi: 10.1016/ S0140-6736(16)32399-6]

Leichte kognitive Beeinträchtigung
Abnehmen schafft Abhilfe

Übergewicht in den mittleren Lebensjahren erhöht das Risiko, später an Demenz zu erkranken. Ob man dies verhindern kann, wenn man frühzeitig sein Gewicht reduziert, war bisher jedoch unklar. Einer aktuellen Studie zufolge hat das Abspecken durch Kalorienreduktion tatsächlich einen neuroprotektiven Effekt.

Quelle: Horie NC et al.: Cognitive effects of intentional weight loss in elderly obese individuals with mild cognitive impairment. J Clin Endocrinol Metab 2016; 101: 1104-12

Typ-1-Diabetes und Epilepsie
Nicht nur Hypoglykämie-bedingte Anfälle!

Hypoglykämien können einen epileptischen Anfall auslösen. Möglicherweise haben Typ-1-Diabetiker zudem ein erhöhtes Risiko für genuine Epilepsien. Das vorläufige Ergebnis aus Kohortenstudien zeigte nun ein um das Dreifache erhöhtes Risiko.

Quelle: Dafoulas GE et al.: Type 1 diabetes mellitus and risk of incident epilepsy: a population-based, open-cohort study. Diabetologia 2017; 60: 258-61

Ketogene Diät bei Kindern
Weniger Notaufnahmen und weniger Klinikaufenthalte

Etwa ein Drittel aller Epilepsie-Patienten erweist sich gegenüber der Antiepileptika-Behandlung als refraktär. Besonders für die Kinder unter ihnen kommt die ketogene Diät in Frage. In den USA wurde nun anhand retrospektiver Daten geprüft, ob und inwieweit diese Therapie die Notaufnahmen und die stationären Klinikaufenthalte sowie die entsprechenden Kosten reduzieren kann.

Quelle: Kayyali HR et al.: Ketogenic diet decreases emergency room visits and hospitalizations related to epilepsy. Epilepsy Res Treat 2016: 5873208 [Epub 26. Sept.; doi: 10.1155/2016/5873208]

Deutsche Kohortenstudie
Starker Vitamin-D-Mangel auch bei Schizophrenie und Autismus?

Verschiedene Studien haben Zusammenhänge zwischen einem Vitamin-D-Mangel und (neuro)psychiatrischen Erkrankungen gezeigt. Nun wurden in Freiburg die Serumkonzentrationen des Vitamins bei Patienten mit Erkrankungen aus dem schizophreniformen und autistischen Formenkreis untersucht.

Quelle: Endres D etal.: Vitamin D deficiency in adult patients with schizophreniform and autism ... Front Psychiatry 2016; 7: 168. [Epub 6. Okt.; doi: 10.3389/ fpsyt.2016.00168]

CAVE
Benzodiazepine erhöhen Demenzrisiko

Auf der Suche nach modifizierbaren Risikofaktoren für eine Demenz stehen neben komorbiden Krankheiten auch verschiedene Medikamente auf der „Fahndungsliste“. Anhand zweier großer Register wurde untersucht, ob die Einnahme von Benzodiazepinen (BZD) das spätere Demenzrisiko maßgeblich beeinflusst.

Quelle: Takada M et al.: Association between benzodiazepine use and dementia: data mining of different medical databases. Int J Med Sci 2016; 13(11): 825-34

Prävention von Attacken
Medizinisches Cannabis bei Migräne?

Die Anwendung von Cannabis weitet sich über die klassischen Indikationen wie MS-bedingte Spastik etc. aus. Bei weitgehendem Fehlen kontrollierter Studien fassten US-Experten jetzt ihre Erfahrungen zu medizinischem Cannabis bei Migräne-Patienten zusammen. Kann Marihuana die Attackenfrequenz maßgeblich senken?

Quelle: Rhyne DN et al.: Effects of medical marijuana on migraine headache frequency in an adult population. Pharmacotherapy 2016; 36(5): 505-10

ADHS und Übergewicht
Neue Daten und eine Metaanalyse

Einige Studien deuten darauf hin, dass Patienten mit einer ADHS ein deutlich erhöhtes Risiko aufweisen, übergewichtig oder adipös zu werden – dies könnte aber auch nur Subgruppen betreffen. In einer Übersichtsarbeit und anschließender Metaanalyse wurde dieser Zusammenhang anhand neuer Studiendaten überprüft – und dabei nach relevanten Einflussfaktoren gesucht.

Quelle: Nigg JT et al.: Attention-deficit/hyperactivity disorder (ADHD) and being overweight/obesity: New data and meta-analysis. Clin Psychol Rev 2016; 43: 67-79

Ginkgo-Extrakt
Neu in der S3-Leitlinie Demenzen

Bis zu 1,5 MIo. Menschen in Deutschland leben heute mit einer Demenz, jedes Jahr erkranken etwa 244 000 Menschen neu daran. Diese Zahlen nennt die aktuelle Leitlinie Demenzen, an deren Entstehung 25 einschlägige Fachgesellschaften beteiligt waren.

Quelle: Pressemitteilung 2/2016 des KFN vom 2.3.2016

Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS)
Versorgungslücke bei jugendlichen ADHS-Patienten

Obwohl ADHS in etwa einem Drittel der Fälle bis zum Erwachsenenalter fortbesteht, sind die meisten Studien auf die Behandlung von Kindern ausgerichtet. Für die ADHS-Therapie im Jugendalter gibt es dagegen nur begrenzt Evidenz. Das Management der ADHS-Symptome ist allerdings gerade in dieser geistig und emotional anspruchsvollen Lebensphase wichtig.

Quelle: Chan E et al.: Treatment of attention deficit/ hyperactivity disorder in adolescents: a systematic review. JAMA 2016; 315(18): 1997-2008

GFI Der Medizin-Verlag

Anschrift

GFI. Gesellschaft für medizinische Information mbH
Paul-Wassermann-Straße 15
81829 München

Telefon: +49 89 4366300
Fax: +49 89 436630210
E-Mail: info@gfi-online.de

Copyright © 2017, GFI | AGB | Sicherheit und Datenschutz | Impressum