Psychologie/Neurologie

Neue Leitlinie zur chronischen Insomnie
Kognitive Verhaltenstherapie zuerst

Eine chronische Insomnie liegt vor, wenn der betroffene Patient über mindestens drei Monate an drei oder mehr Nächten pro Woche Schwierigkeiten mit dem Einschlafen oder dem ununterbrochenen Schlafen hat und sich dadurch belastet fühlt. Welche pharmakologische und nicht-pharmakologische Therapiestrategie am besten funktioniert, ist umstritten. Das American College of Physicians (ACP) hat die Evidenz der verschiedenen Optionen geprüft und eine eindeutige Empfehlung für die kognitive Verhaltenstherapie ausgesprochen. Medikamentöse Optionen stehen an zweiter Stelle.

Quelle: Medalie L, Cifu AS: Management of chronic insomnia disorder in adults. JAMA 2017; 317(7): 762-3

Autonome Neuropathie
Indikatorpflaster zur Früherkennung

Das diabetische Fußsyndrom gehört zu den häufigsten und schwersten Komplikationen eines Diabetes. Ein Indikatorpflaster, das die Funktion der Schweißsekretion untersucht, ermöglicht eine schnelle und objektive Beurteilung des Risikos einer diabetischen Neuropathie. Der einfache Test kann vom Patienten selbstständig durchgeführt werden.

Quelle: Fachpressekonferenz: „Diabetes-Management aus Deutschland“, Frankfurt, 15. Februar 2017; Veranstalter Sanofi Indikatorpflaster: neuropad®

Kinder und Jugendliche
Längere Bildschirmzeit – mehr Depressionen

Eine chinesische Metaanalyse beschäftigte sich mit der Frage, ob sich bei Jugendlichen und Kindern die vor dem Bildschirm verbrachte Zeit auf das Depressionsrisiko auswirkt.

Quelle: Mingli L et al.: Dose-response association of screen time-based ... Br J Sports Med 2016; 50: 1252-58

Antiepileptika-Therapie
Das sind die wesentlichen Prädiktoren für die Nicht-Adhärenz

Antiepileptika werden von vielen Patienten nicht zuverlässig eingenommen oder wieder abgesetzt. Wie groß das Problem ist und welche Merkmale die Betroffenen kennzeichnen, zeigt jetzt ein Forscherteam in einer Querschnittsstudie auf.

Quelle: Getnet A et al.: Antiepileptic drug nonadherence and its predictors among people with epilepsy. Behav Neurol 2016; 3189108 [Epub 8. Dez.; doi: 10.1155/201 6/3189108]

Demenz, Parkinson, Multiple Sklerose (MS)
Inzidenz durch Straßenverkehr erhöht?

Es mehren sich Hinweise, dass sich das Wohnen an vielbefahrenen Straßen negativ auf die Kognition auswirkt. Nun wurde in einer kanadischen bevölkerungsbasierten Kohortenstudie nach einer Relation zur Inzidenz von Demenz-Erkrankungen, Morbus Parkinson und MS gesucht. Im Fall der Demenz wurden die Forscher tatsächlich fündig.

Quelle: Chen H et al.: Living near major roads and the incidence of dementia, Parkinson‘s disease, and multiple sclerosis: a population-based cohort study. Lancet 2017; pii: S0140-6736(16)32399-6 [Epub 4. Jan.; doi: 10.1016/ S0140-6736(16)32399-6]

Leichte kognitive Beeinträchtigung
Abnehmen schafft Abhilfe

Übergewicht in den mittleren Lebensjahren erhöht das Risiko, später an Demenz zu erkranken. Ob man dies verhindern kann, wenn man frühzeitig sein Gewicht reduziert, war bisher jedoch unklar. Einer aktuellen Studie zufolge hat das Abspecken durch Kalorienreduktion tatsächlich einen neuroprotektiven Effekt.

Quelle: Horie NC et al.: Cognitive effects of intentional weight loss in elderly obese individuals with mild cognitive impairment. J Clin Endocrinol Metab 2016; 101: 1104-12

Typ-1-Diabetes und Epilepsie
Nicht nur Hypoglykämie-bedingte Anfälle!

Hypoglykämien können einen epileptischen Anfall auslösen. Möglicherweise haben Typ-1-Diabetiker zudem ein erhöhtes Risiko für genuine Epilepsien. Das vorläufige Ergebnis aus Kohortenstudien zeigte nun ein um das Dreifache erhöhtes Risiko.

Quelle: Dafoulas GE et al.: Type 1 diabetes mellitus and risk of incident epilepsy: a population-based, open-cohort study. Diabetologia 2017; 60: 258-61

Ketogene Diät bei Kindern
Weniger Notaufnahmen und weniger Klinikaufenthalte

Etwa ein Drittel aller Epilepsie-Patienten erweist sich gegenüber der Antiepileptika-Behandlung als refraktär. Besonders für die Kinder unter ihnen kommt die ketogene Diät in Frage. In den USA wurde nun anhand retrospektiver Daten geprüft, ob und inwieweit diese Therapie die Notaufnahmen und die stationären Klinikaufenthalte sowie die entsprechenden Kosten reduzieren kann.

Quelle: Kayyali HR et al.: Ketogenic diet decreases emergency room visits and hospitalizations related to epilepsy. Epilepsy Res Treat 2016: 5873208 [Epub 26. Sept.; doi: 10.1155/2016/5873208]

Deutsche Kohortenstudie
Starker Vitamin-D-Mangel auch bei Schizophrenie und Autismus?

Verschiedene Studien haben Zusammenhänge zwischen einem Vitamin-D-Mangel und (neuro)psychiatrischen Erkrankungen gezeigt. Nun wurden in Freiburg die Serumkonzentrationen des Vitamins bei Patienten mit Erkrankungen aus dem schizophreniformen und autistischen Formenkreis untersucht.

Quelle: Endres D etal.: Vitamin D deficiency in adult patients with schizophreniform and autism ... Front Psychiatry 2016; 7: 168. [Epub 6. Okt.; doi: 10.3389/ fpsyt.2016.00168]

CAVE
Benzodiazepine erhöhen Demenzrisiko

Auf der Suche nach modifizierbaren Risikofaktoren für eine Demenz stehen neben komorbiden Krankheiten auch verschiedene Medikamente auf der „Fahndungsliste“. Anhand zweier großer Register wurde untersucht, ob die Einnahme von Benzodiazepinen (BZD) das spätere Demenzrisiko maßgeblich beeinflusst.

Quelle: Takada M et al.: Association between benzodiazepine use and dementia: data mining of different medical databases. Int J Med Sci 2016; 13(11): 825-34

Prävention von Attacken
Medizinisches Cannabis bei Migräne?

Die Anwendung von Cannabis weitet sich über die klassischen Indikationen wie MS-bedingte Spastik etc. aus. Bei weitgehendem Fehlen kontrollierter Studien fassten US-Experten jetzt ihre Erfahrungen zu medizinischem Cannabis bei Migräne-Patienten zusammen. Kann Marihuana die Attackenfrequenz maßgeblich senken?

Quelle: Rhyne DN et al.: Effects of medical marijuana on migraine headache frequency in an adult population. Pharmacotherapy 2016; 36(5): 505-10

ADHS und Übergewicht
Neue Daten und eine Metaanalyse

Einige Studien deuten darauf hin, dass Patienten mit einer ADHS ein deutlich erhöhtes Risiko aufweisen, übergewichtig oder adipös zu werden – dies könnte aber auch nur Subgruppen betreffen. In einer Übersichtsarbeit und anschließender Metaanalyse wurde dieser Zusammenhang anhand neuer Studiendaten überprüft – und dabei nach relevanten Einflussfaktoren gesucht.

Quelle: Nigg JT et al.: Attention-deficit/hyperactivity disorder (ADHD) and being overweight/obesity: New data and meta-analysis. Clin Psychol Rev 2016; 43: 67-79

Ginkgo-Extrakt
Neu in der S3-Leitlinie Demenzen

Bis zu 1,5 MIo. Menschen in Deutschland leben heute mit einer Demenz, jedes Jahr erkranken etwa 244 000 Menschen neu daran. Diese Zahlen nennt die aktuelle Leitlinie Demenzen, an deren Entstehung 25 einschlägige Fachgesellschaften beteiligt waren.

Quelle: Pressemitteilung 2/2016 des KFN vom 2.3.2016

Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS)
Versorgungslücke bei jugendlichen ADHS-Patienten

Obwohl ADHS in etwa einem Drittel der Fälle bis zum Erwachsenenalter fortbesteht, sind die meisten Studien auf die Behandlung von Kindern ausgerichtet. Für die ADHS-Therapie im Jugendalter gibt es dagegen nur begrenzt Evidenz. Das Management der ADHS-Symptome ist allerdings gerade in dieser geistig und emotional anspruchsvollen Lebensphase wichtig.

Quelle: Chan E et al.: Treatment of attention deficit/ hyperactivity disorder in adolescents: a systematic review. JAMA 2016; 315(18): 1997-2008

Vorsicht bei älteren Patienten
Machen PPI dement?

Protonenpumpeninhibitoren (PPI) werden weitverbreitet bei gastrointestinalen Beschwerden eingesetzt, vor allem bei älteren Patienten. Einer aktuellen Studie zufolge könnte die Gefahr bestehen, dass PPI zu Demenz führen. 

Quelle: Wise J: Proton pump inhibitors may be linked to dementia risk. BMJ 2016; 352: i972

Zucker, Computer, Schlaf
Sind Lifestyle-Faktoren ADHS-relevant?

Inwieweit ist eine ADHS auch von den Lebensgewohnheiten der Kinder abhängig? In einer US-Studie wurde jetzt geprüft, ob Zucker- und Fernsehkonsum, Internetnutzung, Schlaf und andere Lifestyle-Faktoren bei Kindern mit einer ADHS häufiger sind.

Quelle: Holton KF, Nigg JT: The association of lifestyle factors and ADHD in children. J Atten Disord 2016: pii:1087054716646452 [Epub: 28. Apr.]

Ginkgo biloba
Die geistige Leistungsfähigkeit erhalten

Extrakte aus den Blättern des Ginkgobiloba- Baumes fördern die Durchblutung und die Anpassungsfähigkeit des Gehirns – die Voraussetzung für lebenslange Leistungs- und Lernfähigkeit.

Quelle: Pressekonferenz: „Mit 66 Jahren da fängt die Arbeit an“, 12.4.2016, Hamburg; Veranstalter Schwabe Pharma, Karlsruhe Ginkgo biloba-Extrakt (EGb 761®): *z. B. Tebonin® konzent®

Vitamin B12 und Alzheimer ...
... hängen zusammen, irgendwie

Frühere Studien haben gezeigt, dass Patienten mit Morbus Alzheimer (AD) erniedrigte Vitamin-B12- und Folsäurespiegel haben können. Daher empfehlen manche Ärzte Patienten mit eingeschränkter kognitiver Funktion eine Vitamin-B12-Supplementation. Ob das gerechtfertigt ist, versuchte nun eine Studie aus China zu klären.

Quelle: Chen H et al.: Associations between Alzheimer’s disease ... Curr Alzheimer Res 2015; 12(1): 88-94

Inzidenzverlauf über die Jahre
Werden wir wirklich immer dementer?

Eigentlich sollte im Laufe der Jahre die Demenz häufiger werden, da wir alle demografisch immer älter werden und die Demenz eine Erkrankung des Alters darstellt. Nun wurden Daten der Framingham Heart Study (FHS) über einen Verlauf von Jahrzehnten ausgewertet, und es zeigte sich eine überraschende Entwicklung: Die Demenz-Inzidenz nahm im Laufe der letzten 30 Jahre ab.

Quelle: Satizabal CL et al.: Incidence of dementia over three decades in the Framingham Heart Study. N Engl J Med 2016; 374: 523-32

Adipositas und Kognition
Dick und doof? Das gilt nicht (mehr)!

Adipositas gilt als Risikofaktor für so manche Erkrankung. Sie könnte im Alter auch die kognitiven Funktionen negativ beeinflussen, meint man. Es ist aber gerade anders herum, stellten Forscher aus Südkorea fest.

Quelle: Kim S et al.: Body mass index and decline of cognitive function. PLoS One 2016; 11(2): e0148908

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